Wer Roberto Bolaños monumentales Meisterwerk "2666" gelesen hat, darf ruhig auch zu "Das Dritte Reich" greifen, so lange man von dem linear erzählten, als Tagebuch angelegten Roman keine ebenbürtige literarische Leistung erwartet. Das Buch spielt in den 1980er Jahren und hat Udo Berger, deutscher Landesmeister in simulierten Kriegsspielen, zum Protagonisten. Während eines Spanienurlaubs lernt er eine merkwürdige Gestalt kennen, mit der er eine Partie im real existierenden Strategiespiel "Rise and Decline of the Third Reich" austrägt. Während der durch Brandwunden verunstaltete Fremde den Part der Alliierten spielt, übernimmt Berger den der Nazis. Erst verläuft alles wie im Zweiten Weltkrieg, dann aber tritt eine überraschende Wende mit fatalen Folgen ein. . .
Wie in fast allen Büchern Bolaños spielt also auch in seinem Erstling der Nationalsozialismus eine zentrale Rolle als Metapher für das Böse und den Zusammenhang von Ästhetik und Gewalt, Spiel und blutigem Ernst.
Roberto Bolaño: Das Dritte Reich. Roman. Hanser Verlag, München 2011. 322 Seiten.
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