
Rumänien,dessen tragische Geschichte im 20. Jahrhundert den politischen Hintergrund zu Jan Koneffkes "Die sieben Leben des Felix Kannmacher" liefert, erlebt in diesem Roman einen Moment des Triumphs. Ein Walfisch mit Schuppen aus echtem Gold strandet auf einer Sandbank der Donau bei Islaz. Alle anderen Anrainerstaaten der Donau, einschließlich Österreich und Deutschland, haben die Bewegung des kostbaren Tieres zwar aufmerksam verfolgt, schauen am Ende aber durch die Finger. Leider ist der rumänische Triumph mit zwei gravierenden Einschränkungen versehen: Erstens führt er innerhalb des Landes zu nichts als einem schrecklichen Gemetzel, und zweitens findet er nur in einer Gute-Nacht-Geschichte statt, die der Ich-Erzähler für die ihm zur Erziehung anvertraute kleine Virginia Marcu erfindet. Etwas später hat er sie geliebt, wie er erst viel später entdecken wird.
Wer konnte vermuten, dass der in Darmstadt geborene Jan Koneffke, der längst zur Gänze in Wien und in Bukarest lebt, auf einmal einen solchen 500-Seiten-Roman zur Welt bringt: Frisch fabulierend, abenteuerliche Figuren über sieben Jahrzehnte verfolgend, und das immer am Puls der jeweiligen Gegenwart, mit minutiös ausgeführtem rumänischem Lokalkolorit. Alles in einer Sprache, die in Wortwahl und Satzbau nicht selbstverständlicher und heutiger wirken könnte.
Wenn es je unriskant war, ein Buch so kurz nach dem Erscheinen zu einem Hauptwerk seines Autors zu erklären, dann hier. Der Ich-Erzähler Felix Kannmacher wirdersetzt sich als 25-Jähriger der Heiratspolitik seiner Familie um den Preis, dass sie ihn verstößt. Er findet kurz Anschluss im Tross des weltbekannten rumänischen Pianisten Viktor Marcu, reist mit diesem umher und landet doch wieder als Pianist in einer jüdischen Bar in Berlin. Als ihm dort allerdings, vier Jahre später, ein SA-Offizier drei Finger bricht, zieht er es vor, im Kofferraum des Chevrolets von Viktor Marcu, der zufällig zu einem Gastspiel in Berlin weilt, über die bayerische Grenze Richtung Rumänien zu fliehen.
Hier erwartet ihn ein morbides Paradies, bevölkert von bunten Figuren. Die duftende Blüte darin heißt Virginia - und ist noch kaum eine Knospe. Sie ist es, die frühzeitig erläutert, warum Rumänien das schönste Land der Welt ist, was ja nicht jeder Schweizer, Österreicher oder Deutscher von vornherein annimmt.
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