
(kats) Er war ein Mann im Dauerrausch. Berauscht vor allem von sich selbst und von seinen eigenen wahnwitzigen Ideen. Udo Proksch wusste mit seinem legendären "Club 45" im Demel die Reichen und Mächtigen zu blenden, mit Plänen zur Senkrechtbestattung oder aufblasbaren Plastikfiguren gab er den exzentrisch-glamourösen Künstler. Dass Proksch bis heute die Menschen in seinen Bann zieht, zeigt die Tatsache, dass sich "Auf den Spuren des Udo Proksch" der ORF-Journalistin Ingrid Thurnher seit Wochen in den Bestsellerlisten halten kann. Thurnher hat sich durch das wiederentdeckte Archiv Prokschs gewühlt und zeichnet anhand von Original-Dokumenten sein Leben vom nationalsozialistischen Elternhaus bis zur Lucona-Affäre und zu Prokschs Tod in der Justizanstalt Graz-Karlau nach.
Das Buch ist nicht unspannend, nur fehlt eine schlüssige Bearbeitung und Interpretation der zahlreich, ja fast inflationär abgedruckten Texte, Bilder und Skizzen. Ein schlüssiges Gesamtbild Prokschs muss sich der Leser damit selbst zusammensuchen, was nicht immer gelingt. Verzichtet man auf diesen Anspruch, ist das Werk aber immerhin ein interessantes Zeitdokument - eine Spurensuche eben.
Ingrid Thurnher: Auf den Spuren des Udo Proksch. Ecowin Verlag, 336 Seiten, 23,90 Euro.
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