Der britische Journalist Misha Glenny ist anerkannter Experte für das internationale organisierte Verbrechen und hat für dieses aufrüttelnde Buch zwei Jahre lang in der Cyberkriminellen-Szene recherchiert. Seine Grundthese nach zahlreichen Gesprächen mit Hackern, Betrügern, Opfern und Sicherheitsexperten überall auf der Erde: Die digitale Datenvielfalt ist Segen wie Fluch zugleich.
Weitgehend im Verborgenen hat sich im Cyberspace eine neue Unterwelt etabliert. Auf kriminellen Websites wie "DarkMarket" (inzwischen aufgeflogen und von den US-Sicherheitsbehörden vom Netz genommen) werden Tricks und Techniken ausgetauscht, Zubehör für das Auslesen von Kreditkarten verkauft und rund um den Globus gestohlene Daten verschoben. Diese anonymen Foren bieten Kreditkartenbetrügern, Industrie- und Rüstungsspionen wie Cyberkriegern beste Voraussetzungen für diffizile Attacken.
Ein besonders gravierendes Beispiel dafür: Einer Gruppe russischer Hacker gelang es 2007, vorübergehend die gesamte elektronische Infrastruktur des Nato- und EU-Mitgliedslandes Estland lahmzulegen - ein Weckruf für die Nato, eine neue Cyberverteidigungsstrategie zu entwickeln.
Je mehr Apps und Zusatzfunktionen auf Handys, Laptops und Computern, desto größer wird die "kriminelle Spielwiese" im Internet für jene kleine Elite, die ein Herrschaftswissen über eine Technologie besitzt, die unser Leben immer umfassender steuert, während die meisten anderen davon absolut nichts verstehen.
Misha Glenny: CyberCrime - Kriminalität und Krieg im digitalen Zeitalter. Übersetzt von Sebastian Vogel. DVA, 352 Seiten, 20,60 Euro.
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