(rm) Am 18. und 20. Oktober 1939 fanden die ersten Judendeportationen aus Mährisch-Ostrau und Wien in die südostpolnische Stadt Nisko am Fluss San statt. Adolf Eichmann startete hier gegen den Widerstand anderer NS-Größen sein Experiment, das vorerst an den Widersprüchen innerhalb der nationalsozialistischen Führungselite scheiterte. Der im Vorjahr verstorbene Historiker Jonny Moser, der in jahrzehntelanger Forschungsarbeit Dokumente und Berichte von den wenigen Überlebenden zusammengetragen hat, konnte noch knapp vor seinem Tod seine Arbeit über die Nisko-Aktion fertigstellen, die einen guten Einblick in die brutale Vertreibung der Juden gibt. Die Deportierten mussten sich mit unzureichenden Mitteln erst selbst ihre Lager aufbauen. Viele von ihnen wurden einfach in die Wälder und über die Grenze nach Russland vertrieben, wo sie ein ungewisses Schicksal, oft ein Zwangsarbeitslager, erwartete.
Moser, der selbst in Budapest als Laufbursche von Raul Wallenberg den Holocaust überlebte, bietet in seiner posthum erschienenen Studie einen hervorragenden Einblick in die Mechanismen der Judenvertreibung und die internen Auseinandersetzungen zwischen den damit befassten NS-Stellen, die auf dem Rücken der Betroffenen ausgetragen wurden. Nur wenige der Betroffenen überlebten. Ein bisher kaum beleuchtetes Kapitel des Holocaust wurde mit dieser Arbeit profund erforscht.
Jonny Moser: Nisko - Die ersten Judendeportationen. Edition Steinbauer, 206 Seiten, 22,50 Euro.
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