Sind Alfred Hitchcock und Stephen King Paten gestanden, als Michael Tietz seinen Psychothriller "Apfeldiebe" geschrieben hat? Erwähnt werden sie im Nachwort nicht, aber der deutsche Autor, der schon mit seinem Debüt "Rattentanz" für Aufsehen gesorgt hat und im Hauptberuf eigentlich Krankenpfleger ist, steht den beiden Bestsellerautoren um nichts nach. Er legt eine Geschichte über fünf Kinder an, die eigentlich normaler nicht sein könnten - und auch nicht unterschiedlicher: der Streber-Schwächling, den alle verprügeln, der Außenseiter, der Clique-Anführer mit seinem fetten Mitläufer und dessen kleiner Bruder. Der Zufall führt sie in eine Höhle, die einstürzt - und das Kammerspiel nimmt seinen Lauf. Jeder geht mit der Situation auf eigene Weise um, und die Charaktere zeigen erst nach und nach ihr wahres Gesicht. Die Erzählung ist extrem hart, extrem spannend, extrem gelungen. Und Tietz spielt dabei mit seinen Lesern wie die Katze mit der Maus.
Michael Tietz: Apfeldiebe; Bookspot; 17,50 Euro
Artikel erschienen am 27. April 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 46
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