Stellen Sie sich vor, sie wären bei einem Brand fast ums Leben gekommen und können sich nachher an nichts mehr erinnern. Alles, was Sie über sich und Ihr Leben wissen, erfahren Sie nur aus zweiter Hand. Anja Jonuleit versetzt ihren (Anti-)Helden, einen erfolgreichen Geschäftsmann, in ebendiese Lage. Und mit ihm tappt auch der Leser durch die Amnesie des Überlebenden, der sich zunächst überhaupt nicht zurechtfindet - und nach und nach, beim Aufrollen des eigenen Lebens, Dinge über sich herausfindet, die er lieber gar nicht gewusst hätte. Und am Ende ist dann noch einmal nichts so, wie es zunächst schien. Jonuleit hat vielleicht an manchen Stellen etwas dick aufgetragen, trotzdem ist das spannende Experiment dieses Romans im Großen und Ganzen geglückt.
Anja Jonuleit: Der andere Tod; dtv; 9,20 Euro
Artikel erschienen am 27. April 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 46
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