Ein Privatdetektiv, dessen Vater Polizist war und sich wegen eines skrupellosen und korrupten Kollegen das Leben genommen hat. Das Verschwinden einer jungen Nebenerwerbshure, das ihn auf die Spur eines eigentlich gar nicht existenten Mannes bringt und eine Frage nach der anderen aufwirft. Und dazu noch Erinnerungen an die Vergewaltigung und Ermordung seiner Ehefrau Jahre zuvor und das Zusammentreffen mit ihrem Mörder - ein Ereignis, das plötzlich wieder in den Fokus gerückt wird und für den aktuellen Fall relevant zu sein scheint.
Aus diesen Zutaten hat Kevin Brooks einen knallharten Krimi gekocht, der alles andere als Schonkost ist. Und in dem es kein Schwarz-Weiß, sondern nur ganz viele Grautöne gibt. Denn sein Protagonist wird nicht nur vom eigenen Gewissen geplagt, sondern gerät im Showdown auch in eine Situation, aus der es aus moralischer Sicht eigentlich kein Entkommen zu geben scheint. Rache oder Vergessen? Vergebung oder Vergeltung? Hier ist jede Entscheidung eigentlich falsch. Ein extrem entlarvender Roman.
Kevin Brooks: Schlafende Geister; dtv; 10,30 Euro
Artikel erschienen am 27. April 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 46
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