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Update: 27.04.2012, 14:40 Uhr
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Liebe und Tod

Travnicek, Cornelia: Chucks


Von Irene Prugger

Es ist spannend, wenn Zwanzigjährige vom Leben erzählen. Menschen, die erst seit ein paar Jahren erwachsen sind und dennoch bereits einen umfassenden Schatz an Erfahrung und Weisheit besitzen. Die Lektionen, die ihnen das Leben erteilt hat, sind nicht nur wohlwollend, sonst könnten sie nicht so erheiternde und traurige, auf jeden Fall so tiefgängige Bücher schreiben wie Cornelia Travnicek, die 1987 in St. Pölten, Niederösterreich, geboren wurde. Schon in ihrem Debütroman "Chucks" geht es um Leben und Tod, um die großen Fragen des Menschseins.

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Travniceks Heldin Mae ist ebenfalls Anfang Zwanzig und trägt täglich die Schuhe ihres an Krebs verstorbenen jüngeren Bruders. Die roten Chucks führen sie nicht geradlinig in eine sichere Zukunft, sondern vielmehr über Umwege zu existenziellen Erfahrungen. Als die Beziehung von Maes Eltern nach dem Tod des Sohnes immer schlechter wird und letztlich zerbricht, hält Mae nichts mehr im Elternhaus. Sie beginnt, sich auf der Straße herumzutreiben, knüpft Kontakte zur Drogenszene und gewinnt Freunde, die man im gängigen Jargon als "zwielichtig" bezeichnen würde. Ein bürgerliches Leben interessiert Mae nicht, vielmehr ist sie erpicht auf Grenzerfahrungen. Als sie im Aids-Hilfe-Haus eine Strafe abarbeiten muss, lernt sie den aidskranken Paul kennen und verlässt für ihn den zuverlässigen, aber etwas biederen Jakob.

Mae geht gern Risiken ein, gehört aber nicht zur Fun-Genera- tion. Für oberflächliches Amüsement ist sie zu intelligent, entdeckungshungrig und wissensdurstig. Das ist auch der Grund, weshalb das Buch so wunderbar zu lesen ist: Trotz aller Sorge um die Protagonistin streift man gern mit ihr durch die Straßen von Wien, lässt sich die Welt aus ihrer Sicht erklären und begreift, wie schwer und verwirrend es oft ist, jung zu sein: "In einem Meter Abstand zu einem vorbeifahrenden Güterzug stehen. Auf das Metallteil warten, das sich löst und durch die Luft wirbelt, bis es einen trifft. Die Räder sehen. Von den Schienen wissen. Wie einem der Atem wegbleibt im Gegenwind."

Cornelia Travnicek: Chucks. Roman. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2012, 186 Seiten, 15,50 Euro.




Schlagwörter

Rezension, Extra, Literatur

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-27 14:38:08
Letzte Änderung am 2012-04-27 14:40:53


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