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Peter Yorck von Wartenburg kooperierte mit Moltke und Stauffenberg gegen das NS-Regime

Leitfigur im Widerstand


Von Rainer Mayrhofer

Peter Yorck von Wartenburg vor dem Volksgerichtshof 1944.

Peter Yorck von Wartenburg vor dem Volksgerichtshof 1944.

Im ersten Schauprozess gegen die "Verschwörer des 20. Juli" wurde am 8. August 1944 neben mehreren hohen Militärs auch der aus Schlesien stammende Graf Peter Yorck von Wartenburg zum Tod durch Erhängen verurteilt. Er war eine der Schlüsselfiguren im deutschen Widerstand gegen Hitler   und arbeitete sowohl mit Helmuth James von Moltke im Kreisauer Kreis an der zukünftigen Gestaltung eines demokratischen Deutschland nach den Nazis zusammen als auch mit der Gruppe um Claus von Stauffenberg, der das gescheiterte Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 verübte.   

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Die Yorcks haben von 1815 bis 1945 das Gut Klein-Oels südöstlich von Breslau bewohnt und die deutsche Geschichte von den Napoleonischen Kriegen bis zum Untergang des Nationalsozialismus mitgeschrieben. Als fünftes von insgesamt zehn Kindern und einer von vier Brüdern war Peter Yorck  1904 auf dem Familiengut zur Welt gekommen und in einer Atmosphäre aufgewachsen, die von künstlerischen Interessen und preußischer Tradition geprägt war. Im evangelischen Gymnasium in Roßleben zählten spätere Mitverschwörer gegen Hitler zu seinen Schulkollegen.

Sein Jura-Studium absolvierte er in Bonn und Breslau, wo er 1927 mit einer Dissertation  über "Die Haftung der Körperschaften öffentlichen Rechts für Maßnahmen der Arbeiter-und Soldatenräte" promovierte. Als Sohn eines bekennenden Monarchisten beschäftigte er sich intensiv mit den Revolutionsereignissen als Vorgeschichte der Weimarer Republik.

Der Kreisauer Kreis
In Breslau kam Yorck auch in Verbindung mit Universitätsprofessor Eugen Rosenstock-Huessy, der als philosophischer und pädagogischer Volksbildner nach Methoden suchte, die Klassengesellschaft zugunsten einer offenen Gesellschaft mit Elementen der gleichberechtigten Zusammenarbeit aller Bürger zu überwinden. Rosenstock-Huessy, der als Erzvater des Kreisauer Kreises galt, organisierte mit seinen Mitarbeitern in der "Löwenberger Arbeitsgemeinschaft" zwischen 1928 und 1930 sogenannte Arbeitslager, in denen er Fabriks- und Landarbeiter mit Studenten zusammenführte. Viele der dort Wirkenden zählten in der NS-Zeit dann zu den Kreisauern.

1928 lernte Peter Yorck die gleichaltrige Marion Winter (1904-2007) kennen, die seine Ehefrau und treue Gefährtin im Widerstand wurde. Den Nationalsozialismus hatte der liberal-konservative Yorck von Anfang an abgelehnt und ein Beitritt zur NSDAP kam für ihn nie in Frage, weshalb seine berufliche Karriere als Jurist schon vor dem Krieg auf ihrem Zenit angekommen war.

Den Beginn des Zweiten Weltkriegs erlebte er als Leutnant in einem Panzerregiment. Bereits in den ersten Tagen des Polenfeldzugs fiel sein jüngerer Bruder Hans, 1942 der jüngste, Heinrich, der ältere Bruder Paul wurde in Russland schwer verletzt. In den Briefen an die Mutter wird der ganze Schmerz, den die Kriegskatastrophe über die Familie gebracht hat, deutlich. Selbst der Pflichtverteidiger im Volksgerichtsprozess führte das - allerdings ohne Erfolg - an.

Schon seit 1940 stand Yorck in engem Kontakt zu Helmuth James von Moltke. Im Mai und Oktober 1942 und dann im Juni 1943 fanden auf dessen Gut im schlesischen Kreisau die drei Treffen statt, auf denen Fachleute und Hitlergegner aus allen politischen Gruppierungen die Weichen für eine Zukunft stellen wollten.

Briefe als Zeitzeugnisse
Günter Brakelmann arbeitet in seiner Biographie Peter Yorcks auch die Differenzen klar heraus, die es zwischen den einzelnen Gruppen des Widerstands gab, etwa in der Frage eines Attentats auf Hitler, das Moltke und Yorck anfangs ablehnten, zu dem sich Yorck aber nach der Verhaftung Moltkes im Jänner 1944 bekannte. Vieles über Yorck findet sich in den Briefen Moltkes an seine Frau Freya, die in einem Bienenstock vor den NS-Behörden verborgen blieben und zu den schönsten Dokumenten des deutschen Widerstands gehören. Yorcks Briefe an seine Frau Marion hingegen wurden nach seiner Festnahme weitgehend vernichtet, sodass vieles im Dunkeln bleibt. Aber die wenigen Briefe, die er unmittelbar vor seinem Tod noch an die Frau und die Mutter schreiben konnte, zeigen die ganze Größe dieses Mannes, den tiefer Glaube in der Gegnerschaft zu den Nazis bestärkt hat.

Sachbuch

Peter Yorck von Wartenburg - 1904-1944

Günter Brakelmann

C.H. Beck, 336 Seiten, 25,70 Euro




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