"Es gibt viele Möglichkeiten, zu sterben, eine davon ist, hingerichtet zu werden." Ein Buch, das so beginnt, muss schon einiges aufbieten, um die Provokation dieses ersten Satzes zu übertrumpfen. Aber Christian Locker schafft das in seinem Roman "Einfach jeder". Dabei geht er nicht so locker vor, wie sein Nachname nahelegt, sondern entfaltet ein weitverzweigtes Erzählgeflecht. Der Witz der Handlung besteht in ihren vielen Überraschungen und Überrumpelungen, deshalb darf man nicht allzu viele Details davon verraten. Nur eben so viel, dass der Roman in Wien spielt und von mysteriösen Todesfällen handelt. Sie ereignen sich nicht wahllos, sondern nach verborgenen Gesetzmäßigkeiten, die durchaus geheimnisvoll sind.
Aber neben dieser mysteriösen Seite hat der Roman auch seine welt-, d.h. wien-zugewandten Aspekte. Das Kolorit der Stadt wird fein erfasst, und eine Figur wie der verschrobene Meinhard Dordinger bleibt als archetypischer Wiener in Erinnerung, und das nicht nur, weil er ein begnadeter Vielfraß ist, der durch so aparte Kombination wie "Bier und Mala-kofftorte" auffällt.
Christian Locker: Einfach jeder. Roman. edition art libre, Wien 2011, 360 Seiten, 24,50 Euro.
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