• vom 07.05.2012, 15:47 Uhr

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Wie die Bayern zu Bierbrauern wurden


Von Frank Ufen

Warum ist eigentlich Bayern kein Weinland wie Hessen, Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg, sondern ein Bierland? Das ist, erklärt der Münchner Biologe Josef Reichholf, in erster Linie auf klimatische Veränderungen zurückzuführen. Noch im Hochmittelalter waren die Durchschnittstemperaturen in Bayern derart hoch, dass Weinbau bis an den Fuß der Alpen möglich war. Hingegen wurde dort zu jener Zeit noch wenig Bier gebraut. Denn da die Verwendung von Hopfen - ein aufgrund seiner Bitterstoffe sehr gutes Konservierungsmittel - noch in den Anfängen steckte und man nicht wusste, wie man das Bier sonst haltbar machen konnte, verdarb es derart schnell, dass es unmittelbar nach dem Brauen konsumiert werden musste.

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Doch im Spätmittelalter und im 16. und 17. Jahrhundert brachte die Kleine Eiszeit so strenge Winter, dass die Teiche und Seen immer wieder zufroren. Jetzt standen reichlich Eisblöcke für die Eiskeller zur Verfügung, wo man das Bier kühl lagern konnte. Von nun an wurde in Bayern der Wein immer weiter vom Bier zurückgedrängt, wozu auch beigetragen hat, dass es sich auch aus Roggen oder Weizen brauen ließ, wenn die Gerste knapp und teuer war.

Der Wilde Hopfen, der übrigens zu den Hanfgewächsen gehört, wächst in den Gebieten entlang des Oberlaufs der Donau und in den meisten mittel- und osteuropäischen Flussauen, und zwar hauptsächlich dort, wo es Grauerlen gibt, an denen er sich hochranken kann. Vor allem die im Hopfen steckenden Bitterstoffe Humulin und Lupulin machen das Bier haltbar und verleihen ihm seinen würzigen Geschmack. Als harzartige Ausscheidungen bilden sie sich in den gestielten Drüsen an den Samenschuppen des Hopfens. Wozu diese Harzbildung allerdings dienen soll, ist ein ungelöstes Rätsel der Biologie.

Merkwürdig ist auch, warum der Hopfen derart spät ins Bier gelangt ist. Zwischen 736 und 768 begann man in der Hallertau und in der Umgebung von Freising mit dem Anbau von Hopfen. Doch es sollten noch mehrere Jahrhunderte vergehen, bis der Wilde Hopfen systematisch kultiviert wurde und in Deutschland und Flandern größere Hopfengärten angelegt wurden. Erst im 17. Jahrhundert setzte sich gehopftes Bier endgültig durch.

Ohne Menschen wäre die Natur auch kein Paradies
Der Auwald am unteren Inn, wo der Zoologe Josef Reichholf aufgewachsen ist, ist einer der artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas. Dieser Lebensraum und die gewaltigen Veränderungen, denen er im Verlauf der letzten Jahrzehnte unterworfen war, stehen im Zentrum dieses Buches. Reichholf schreibt über die Natur- und Kulturgeschichte etlicher Pflanzenarten des Auwaldes - vom Hopfen, Enzian und Wacholder angefangen bis hin zu Kiefern, Pappeln und Walnussbäumen - und analysiert die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen ihnen und der Tier- und Menschenwelt. Dabei wird vor allen Dingen deutlich, warum eine gängige Auffassung von Grund auf falsch ist. Nämlich die Auffassung, dass es der Natur umso besser gehen würde, je mehr sie gegen die Menschenwelt abgeschottet wird - und dass sie ein Paradies wäre, wenn es überhaupt keine Menschen gäbe.

Ein exzellentes, ebenso elegant wie anschaulich geschriebenes Buch, das mit einer Fülle verblüffender Erkenntnisse aufwartet.

Sachbuch

Das Rätsel der grünen Rose

Josef H. Reichholf Oekom-Verlag, 332 Seiten, 20,55 Euro




Schlagwörter

Sachbuch, Bier, Botanik

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