Michael Maars "Hexengewisper" ist ein Buch für alle, die sich mit Märchen beschäftigen. Gescheit im Denken und elegant in der Formulierung stellt der Autor dar, dass die Geschichten, die wir alle kennen, auf der ganzen Welt zu Hause sind. Er geht ins Detail und führt den Beweis, dass manches Grausige, wie etwa der Kannibalismus in gar nicht wenigen Geschichten, keineswegs frei erfunden ist: Die Hexe in "Hänsel und Gretel" will Hänsel gemästet verspeisen. In den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs sei die Hungersnot so groß gewesen, dass es auch zum Verzehr von Kindern gekommen sei, schildert Maar. Der Schrecken darüber werde in Märchen gebannt.
Grimms Märchen sind auch reich an bösen Stiefmüttern. Das hat mit der Wirklichkeit aber nichts zu tun. Vielmehr schonten die Gebrüder Grimm die eigentlich gemeinten bösen Mütter.
Michael Maar: Hexengewisper. Essay. Berenberg Verlag, Berlin 2012, 78 Seiten, 20,- Euro.
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