"Die Tante Jolesch", von Friedrich Torberg 1975 in die literarische Welt gesetzt, erweist sich als eine lebensfrohe Person, die sich auch heute noch eines guten Rufes hierzulande erfreut. Die Popularität dieser Tante für eine zugkräftige Titelfigur nützend, hat der Motorsportreporter und Anekdotensammler Günther Effenberger heitere Episoden aus seinem eigenen Metier und dem heimischen Journalismus zusammengetragen, denn auch im Zeitungsbetrieb gab und gibt es Käuze und Originale, die Witz und Humor in die Redaktionen bringen.
Im Zuge der Lektüre begegnet man markanten Erscheinungen in der österreichischen Zeitungslandschaft (etwa Kurt Falk, Hugo Portisch, Paul Popp) und gelangt zu der Erkenntnis, dass die Anekdotenbrillanz im Lauf der Zeit doch ziemlich verblasst ist - und dass Pointenweltmeister wie der legendäre Ernst Haeusserman rare Glücksfälle sind. Als Achim Benning 1976 Burgtheaterdirektor wurde, musste just die erste Vorstellung unter seiner Führung wegen etlicher Erkrankungen im Ensemble und beim technischen Personal abgesagt werden. Haeusserman rief Benning an und gratulierte: "Erst einen Tag Direktor, und schon steht das Burgtheater geschlossen hinter dir."
Günther Effenberger: Tante Jolesch fährt Auto. Gefco-Verlag, Wien 2012, 224 Seiten, 23,10 Euro.
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