• vom 20.05.2011, 14:27 Uhr

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Update: 20.05.2011, 14:28 Uhr

Sachbuch

Endepols, Michael: Bob Dylan von A bis Z




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Von Rolf-Bernhard Essig

  • Annäherung an ein Phänomen
  • Über ein Buch, in dem alles steht, was man über Bob Dylan schon immer wissen wollte.

Es gibt allerlei Stichworte in "Bob Dylan von A bis Z", die etwas oder sogar sehr überraschen: "Donovan", "Oh, no!", "Sopranos" oder "Papst"! Ja, tatsächlich, Papst Johannes Paul II. hat Bob Dylan zugehört. Und das, obwohl ihn sein engster damaliger Berater, Joseph Aloisius Ratzinger, vor dem "Nihilismus" solch "falscher Propheten" eindringlich gewarnt hatte, wie Autor Michael Endepols weiß. Und er schließt: "Aber die Tatsache, dass Dylan nicht auch noch den Beifall des Kardinal Ratzingers bekam, nahmen dann doch viele seiner Anhänger mit Erleichterung zur Kenntnis."

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Es wird ihnen bei diesem hübschen Büchlein in der mittelgroßen Reclam-Reihe ähnlich gehen, das kein Lexikon oder Handbuch ist (obwohl man darin alles Wichtige über Dylan erfahren kann), sondern vielmehr eine angenehm spielerische Mixtur aus grundlegenden, abseitigen und kuriosen Fakten zu einem der bedeutendsten Musiker des letzten halben Jahrhunderts.

Dass er ein Kenner ist, merkt man Endepols auf jeder Seite an, wenn er bis ins Detail und wohlabgewogen sich etwa dem Stichwort "Joan Baez" - übrigens der längste Artikel im Buch - widmet, oder "Western" oder "Newport Festival". Da breitet einer mit Witz und Herz seine Informationen über Bob Dylan aus, mit dem er sich offensichtlich nicht erst seit gestern beschäftigt. Gerade die stilistische Leichtigkeit, die ein Wortspiel da und dort nicht verachtet, Ironie fein dosiert und dem Leser genügend Feingefühl zutraut, um selbst auf so manche Pointe zu kommen, macht die Lektüre lehrreich und unterhaltsam zugleich.

Überraschende Verweise

Sogar ein Kalauer darf vorkommen, etwa bei dem Stichwort "Cash, Johnny", in dem von einem Duett der beiden Sänger 1969 für die Platte "Nashville Skyline" berichtet wird: "In den Sessions probierten sie sich an Liedern von Dylan, von Cash und an Standards aus dem Bereichen Country und Rock´n´Roll. Das erst mal wenig überraschende Ergebnis war, das Cash der bessere Cash-Interpret und Dylan der überzeugendere Dylan-Interpret war."

Am schönsten überraschen die Querverweise, mit deren Hilfe man aus dem Stichwort "Familienleben" zu "Motorradunfall" kommt, von dort zu "Albert Grossmann", dann zu "Don´t look back" und schließlich zu "Renaldo und Clara". Das alphabetische Raster erweist sich als Assoziationsmaschinchen, das munter Sprünge zu "DDR" ermöglicht, ein Nippen an "Zehn Songs" oder eine Überlegung zur Ethik der "Bootlegs".

Auf diese Weise nähert man sich dem Phänomen "Bob Dylan" biographisch, musikalisch, politisch, literarisch, historisch und anekdotisch in schönem Wechsel, wobei gute Register die Suche erleichtern. Ach ja, auffällig ist die besondere Beachtung der vielfältigen Beziehungen Dylans zum Kino . . .

Von einer Hagiographie ist Endepols bei aller offensichtlichen Verehrung aber weit entfernt. Er lässt auch Dylans Kritiker zu Wort kommen, spart peinliche und lustige Details (wie die Verbindung zu "Victoria´s Secret") nicht aus, rückt aber auch viele Vorstellungen zurecht oder entlarvt Gerüchte als solche, beispielsweise den nie belegten Vorwurf, Dylan habe Aktien von Rüstungsfirmenaktien besessen.

Einer Sache ist sich Endepols vollkommen klar, weshalb er das entsprechende Stichwort gleich "Mission Impossible" nennt: "Jemandem zum Dylan-Anhänger zu missionieren, ist sinnlos . . ."

Michael Endepols: Bob Dylan von A bis Z. Reclam Verlag, 165 Seiten, 8,95 Euro.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2011-05-20 14:27:15
Letzte Änderung am 2011-05-20 14:28:00


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