Ein Buch als Zeugnis dafür, wie prägend Kindheitserlebnisse sein können. Frank Westerman verbrachte als Kind viel Zeit in einer Reitschule, deren Chef auch einen Lipizzaner besaß. "Conversano Primula" stand an der Stalltür. Der Holländer kam vom edlen Tier nicht mehr los. Nachdem er von den Kriegen im zerfallenen Jugoslawien berichtet hatte, begann er eine Recherche über die Geschicke der Lipizzaner in und nach dem Zweiten Weltkrieg und über die Vorfahren Conversano Primulas.
Was er über die Züchtungsgeschichte der Lipizzaner erfuhr, verflocht Westerman mit den Wegen (Darwin, Mendel) und Abwegen (Nazideutschland, Sowjetrussland) des Denkens über Tier- und Menschenzucht. Und er setzte Hubert Rudofsky ein Denkmal. Dass Alois Podhajsky am Ende des Zweiten Weltkrieges die Hengste der Spanischen Hofreitschule in Sicherheit brachte, weiß alle Welt. Dass der US-Panzervorstoß zur Rettung der Stuten von Rudofsky initiiert wurde, ist weithin vergessen.
Trotz kleiner Irrtümer eine faszinierende Lektüre
Kleine Irrtümer versteht man am besten als Aufforderung zu kritischer Lektüre. Tito hat nicht im Nürnberger Prozess ausgesagt, und der Ausschlag der Lipizzaner mit den Hinterbeinen war kein tödlicher Karateschlag, "mit dem man die Türken außerhalb der Stadtmauern halten konnte". Trotz alledem eine faszinierende Lektüre.
Sachbuch
Das Schicksal der weißen Pferde - Eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts
Von Frank Westerman
C.H. Beck Verlag, 288 Seiten, 20,50 Euro
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