
Er habe das Gefühl gehabt, "auf eine Goldader gestoßen zu sein", urteilt der selbst sehr erfolgreiche Schriftsteller Alex Capus über "Die Verschwörung der Idioten". Nachdem Capus den einzigen Roman von John Kennedy Toole nun neu übersetzt hat, ist seine Kunde vom vor 32 Jahren in New Orleans aufgefundenen literarischen Goldschatz zwar parteilich, doch durchaus berechtigt: 1981 bekam "Die Verschwörung der Idioten" den Pulitzer-Preis. Seitdem wurde Tooles postum erschienener Roman in achtzehn Sprachen übersetzt, über 1,5 Millionen mal verkauft und rangiert auf einer Liste der 1000 wichtigsten Bücher aller Zeiten.
Dass jede der zahlreichen Figuren in diesem Roman zur ergiebigen Quelle von Komik wird, hat mehrere Gründe. So beherrscht es Toole etwa meisterhaft, den großen Erzählstrang in kleine und kleinste Episoden zu gliedern, und diese dann akrobatisch kollidieren zu lassen. Von der neugierigen Nachbarin bis zur Nackttänzerin, vom armen Schlucker bis zum gelangweilten Fabrikantensohn gibt es keinen nennenswerten Bereich des gesamten Spektrums, der Tooles parodistischer Aufmerksamkeit entgangen wäre. Auch bleibt bei dem politisch höchst unkorrekten Rundumschlag keine ethnische, religiöse oder soziale Gruppe von seinem brillanten Witz verschont.
Mit dem ebenso eloquenten wie flatulenten Ignatius J. Reilly stellt Toole einen unvergesslichen Protagonisten ins Zentrum seiner durch unflätigste Dialoge tobenden Erzählung: Einen unter gewaltigen Blähungen und großem Gewichtshandicap leidenden jungen Mann, der unter dem stetig zunehmenden Druck seiner Mutter - bei der er, arbeitslos, noch immer lebt - und der sonst auf ihm lastenden Geschehnisse nicht zusammenbricht, sondern, über bizarre Pfade ausweichend, zu einer gegen alle Formen der Unkultur der Gegenwart gleichzeitig rebellierenden Höchstform aufläuft.
Mit der Figur des Intellektuellen Ignatius Reilly, die, wie Capus im Nachwort erläutert, unübersehbare Parallelen mit der ihres literarischen Schöpfers hat, ist Toole ein Geniestreich gelungen: Reilly, der Fernsehen, Smalltalk und Tiefkühlkost hasst; der moderne Verkehrsmittel meidet und Freuds Psychologie verdammt; der lieber die Welt verbessert, als Karriere zu machen oder mit dem Plastikschwert den Kampf gegen die Unzucht im French Quarter von New Orleans aufnimmt - dieser Reilly ist mehr als nur ein platter Berserker gegen schlechten Geschmack, mehr als eine zornige Nemesis wider den american way of life. Und mehr als nur eine bloße Drag-Queen-Variante von Don Quijote. Er wirkt dank seiner vielen Laster - Völlerei, Hochmut, Wollust, Zorn und Neid - selbst als Faulpelz, Frechdachs, Moralapostel und Querulant noch sympathisch. Für den Leser bleibt er bis zuletzt interessant, sich selbst allerdings ein Rätsel.
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