Bienen sind fleißig, sozial und perfekt organisiert. Ihr Honig nährt, heilt und ist verführerisch süß. Seit alters her hat dieses Insekt (auch) die Fantasie des Menschen bestäubt. Der Schweizer Schriftsteller und Übersetzer Ralph Dutli erzählt in seinem "Lied vom Honig" die spannende Kulturgeschichte der Biene.
Zoologische Betrachtungen der Spezies, reizvolle Anekdoten über prominente Imker (u.a. Vergil, Augustinus, Lew Tolstoj, Sylvia Plath) sowie Exkurse ins weite Land der Bienensymbolik garantieren Staunen und Lesegenuss.
Die Tiere begegnen als Inkarnation Vishnus und als Tränen des ägyptischen Sonnenkönigs. Ihr Nektar fließt durch mythische und biblische Paradiese, oder durch Joseph Beuys Sozial-Plastik "Honigpumpe am Arbeitsplatz". Und Ingeborg Bachmann klagt im Schubertton: "In diesem Sommer blieb der Honig aus."
Die Biene begegnet als Em-blemtier der Poeten, Monarchen - und Sparkassen. Ihr Staat erscheint als Apologie des Frühkapitalismus (Mandeville, "Bienenfabel"), als kafkaeskes Universum (Gerhard Roth, "Über Bienen") oder als "unaufhörliches Wachsen von Waben" - mithin als Bild der Welt (Pablo Neruda, "Ode an die Bienen").
Ralph Dutli: Das Lied vom Honig. Wallstein Verlag, Göttingen 2012, 208 Seiten, 15,40 Euro.
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