
Als der ehemalige russische Agent und Überläufer Grigorij Bulganow aus London verschwindet, gehen die Briten offiziell davon aus, dass er ein Doppelagent war. Gabriel Allon, israelischer Geheimagent und begabter Gemälderestaurator, wird hinzugezogen. Er glaubt nicht an eine Rückkehr Bulganows zu den Russen, kennt er den Mann doch besser. Allon vermutet den russischen Oligarchen Iwan Charkow hinter dem Schachzug, dem er einst in die Quere gekommen war. Durch Allons Einsatz hatte Charkow damals seine Frau, seine Kinder und einen Großteil seines Vermögens verloren. Rache als Motiv scheint daher naheliegend. Dann wird auch noch Allons Frau Chiara entführt. Ein Wettlauf beginnt, zwischen den Geheimdiensten kommt es zu Unstimmigkeiten - nur die Israelis behalten natürlich den Überblick. Einerseits durchaus temporeich und mit vielen realistischen Einsprengseln zum Thema Russland, Oligarchen und die Welt der Spione, verliert sich der Thriller dennoch oft in ausufernden Rückblenden, ist doch Gabriel Allon mittlerweile ein Serienheld. Als Einzelbuch zwar lesbar, Konzentration ist dabei allerdings von Nöten. Immerhin bleibt der Autor bei seinem Konzept: Spionage ist ein schmutziges Geschäft, in dem sich Gut und Böse nicht immer eindeutig identifizieren lassen. Auch der Held überlebt all die Turbulenzen realistischerweise nicht unbeschadet. Aber irgendwie bekommt man trotz der Dichte des Stoffes nicht das Bedürfnis, die vorangegangenen und nachfolgenden Allon-Bücher zu lesen. Was letztlich eigenartig ist...
Daniel Silva: Der Oligarch. Pendo; 20,60 Euro
Artikel erschienen am 22. Juni 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 46
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