Die Menschen in (k)ältester Zeit
(tes) Kalt, sehr kalt war es vor 45.000 Jahren in Europa, aber man hatte viel Platz: Vermutlich nicht mehr als 30.000 Neandertaler siedelten zwischen eiszeitlichen Gletschern, Tundra und Mittelmeer. Unvorstellbare 200.000 Jahre hatte sich ihre Kultur nicht verändert, als vom Südosten eine neue Art von Hominiden einwanderte. Ob sich das Zusammenleben von Neandertalern und Cro-Magnon-Menschen (benannt nach einer Fundstelle in Frankreich) als misstrauische Koexistenz oder als Kampf um knappe Ressourcen gestaltete, ist unklar. Die Intelligenz und das kreative Potenzial der Cro-Magnon waren jedenfalls überragend: Die Malereien in den Höhlen von Altamira, Lascaux oder Chauvet sind die schönsten Zeugnisse dafür, Speerspitzen und Steinmesser die effektivsten. Brian Fagan hält allerdings die Nähnadel für die brillanteste Erfindung der Cro-Magnon-Menschen, da nun Felle und Leder zu kältedichter Kleidung zusammengefügt werden konnten. Mit Begeisterung, nur manchmal etwas langatmig erzählt der Anthropologie-Professor davon, wie der biologisch moderne Mensch den Neandertaler verdrängte und vom "Raubtier unter Raubtieren" zur dominanten Spezies in Europa wurde.
Cro-Magnon.
Das Ende der Eiszeit und die ersten Menschen.
Brian Fagan
Konrad Theiss Verlag, 288 Seiten, 30,80 Euro.
Die Welt des Baedeker
(hb) Wer hätte das gedacht: Reiseführer, so "die vielleicht wichtigste Erkenntnis" von Susanne Müllers "Medienkulturgeschichte des Reiseführers 1830-1945", seien "Sehhilfen; als solche bilden sie Wahrnehmungsdispositive und werden zur Grundlage für eine die Realität überlagernde Seh- und Raumordnung." Die Argumentation läuft darauf hinaus, es spiele "zumindest aus theoretischer Sicht" keine Rolle, ob der Benützer eines Reiseführers um 1850 die Campagna erkundete oder als britischer Pilot im Zweiten Weltkrieg, "den Bombers Baedeker vor Augen, Abwurforte für die geladene Munition ausfindig macht". Was natürlich ein großer Unsinn ist.
Warum es der dubiose "Bombers Baedeker" der Autorin so angetan hat, bleibt dunkel. Vielleicht hat Hans Dieter Schäfers Buch "Das gespaltene Bewusstsein" und die These vom "tiefen Gegensatz zwischen nationalsozialistischer Ideologie und Praxis" auch sie ein wenig verwirrt. Das Buch war ursprünglich eine Dissertation, doch warum eine philosophische Arbeit über Reiseführer ausgerechnet 1945 endet, wird nicht ganz klar. Etliche kluge Gedanken enthält das Buch immerhin, und geschickt illustriert ist es auch.
Die Welt des Baedeker
Susanne Müller
Campus, 354 Seiten, 30,80 Euro
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