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Der "letzte deutsche Universalgelehrte"

Weber, Ino: Carl Friedrich von Weizsäcker


Von Wolfgang Taus

C. F. von Weizsäcker im Jahr 1993.

C. F. von Weizsäcker im Jahr 1993.wikimedia C. F. von Weizsäcker im Jahr 1993.wikimedia

Er war ein Suchender und ein Wissender, sich wohl bewusst, dass man nie vollständig zu Ende denken kann. - Der deutsche Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-2007) hat es wie kein Zweiter verstanden, die seit fast vier Jahrzehnten andauernde Trennung zwischen Geistes- und Naturwissenschaft zu überwinden. Der frühere deutsche Bundespräsident Roman Herzog nannte ihn nicht von ungefähr den "letzten deutschen Universalgelehrten".

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Der deutsche Wissenschaftsjournalist Ino Weber legt hier eine interessante, bisweilen eher knapp gehaltene Biographie über den Bruder des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vor. Als junger begabter Physiker forschte Carl Friedrich von Weizsäcker im Atomprogramm der Nazis an der Uranbombe. Danach half er mit, die Entwicklung zu verschleppen, verhinderte auf diese Weise einen möglichen Sieg Hitler-Deutschlands - und wandelte sich nach dem Krieg zum militanten Atomgegner. Er hielt es unter anderem für seine Pflicht, vor einem drohenden Dritten Weltkrieg zu warnen und positiv auf die politischen Entscheidungsträger einzuwirken. Weizsäcker war kein Gesellschaftskritiker im eigentlichen Sinne, schon gar kein Moralist, sondern er praktizierte an sich selbst die härteste Selbstkritik. Interdisziplinäres Forschen, offenes Denken vor dem Hintergrund tiefer Menschlichkeit - das ist es, worum es Weizsäcker zeitlebens ging.

Menschheit benötige zum Überleben radikale Ethik
Weizsäckers tiefe Menschlichkeit, so der Autor, werde erst dann voll verständlich, wenn man sein Gefühl für die religiöse Wahrheit, seine Achtung vor den höchsten Fragen des Geistes, seine eigene Spiritualität - geprägt von fernöstlicher Lebensweisheit bis hin zur christlichen Lehre -, vielleicht sogar das persönliche Gespür für die göttliche Gegenwart im Dasein, im Kosmos sowie im Wesenskern der Menschen, gebührend mit einbezieht.

Als gläubiger Christ betonte Weizsäcker, dass eine radikale Ethik, wie sie die Menschheit zum Überleben benötigt, nur in der Religion zu finden sei - einer Religion, die selbstlos ist und nicht zum Moralisieren neige. Dabei gehe es um die Verwirklichung der Moral und zugleich um die Ganzwerdung der Person - um die Transformation des ganzen menschlichen Wesens. - Ein wertvolles Buch, das im Anhang noch interessante Einblicke über Familie, Freunde und Kollegen bietet.

Sachbuch
Carl Friedrich von Weizsäcker. Ein Leben zwischen Physik und Philosophie.
Ino Weber
Crotona, 245 Seiten, 20,60 Euro




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-02 15:23:08
Letzte Änderung am 2012-07-02 17:01:35


Französischer Text wurde aus Sprechblase entfernt

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