
Was bringt es noch zu leben, wenn das Wichtigste fehlt? Rebecca fühlt seit dem Tod ihres Mannes nur noch Leere in ihrem Dasein und will sich jetzt in ihrem selbstgewählten französischen Exil selbst das Leben nehmen. Dass es nicht dazu kommt, dafür sorgt ihr alter Freund Maximilian, der unvermutet aus der deutschen Heimat auftaucht, mit dem jungen Pärchen Marius und Inga im Schlepptau. Denn nun muss sich Rebecca nolens volens um die Gäste kümmern, was sie vom Sterben abhält. Doch dann verschwindet plötzlich Marius auf rätselhafte Weise - nur um bald darauf wieder aufzutauchen. Und dann wird alles sehr unübersichtlich. Denn Marius hat offenbar in Deutschland blutige Rache an seinen sadistischen Pflegeeltern geübt und macht nun Rebecca, die seinerzeit eine Notrufnummer für Kinder betrieb, für sein Leiden verantwortlich. Dass am Ende dann doch nichts genauso ist, wie es zunächst schien, liegt auf der Hand. Und Charlotte Link zieht meisterhaft die Fäden verschiedenster Erzählstränge zusammen.
Charlotte Link: Der fremde Gast; Blanvalet; 10,30 Euro
Artikel erschienen am 13. Juli 2012 in "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 30
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