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Update: 27.07.2012, 15:20 Uhr
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Meister Celsius

Grill, Andrea: Liebesmaschine N.Y.C.


Von David Axmann

  • New York Storys von Andrea Grill.

Andrea Grill ist eine mehrseitig talentierte Frau, und das kommt ihr wie uns zugute. 1975 in Bad Ischl geboren, studierte sie Biologie, Italienisch, Spanisch und Linguistik in Salzburg, Thessaloniki und Tirana, verbrachte einige Jahre in Cagliari und promovierte 2003 an der Universität von Amsterdam über die Evolution endemischer Schmetterlinge in Sardinien. Außerdem entwickelte Andrea Grill literarische Ambitionen, schrieb Erzählungen, Gedichte und Romane, dabei ihrer globetrotterischen Sehnsucht weiterhin freien Lauf lassend; so gelangte sie u.a. nach Klagenfurt, Neuchâtel, Bologna, Berlin, auch nach New York, jener Weltmetropole, welcher sie schicksalshaft bestimmt ist: "Ich bin" - so beginnt ihr neues Buch - "eine New Yorkerin gewesen, bevor ich je einen Fuß in die Stadt setzte".

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Mittlerweile steht Andrea Grill mit beiden Beinen in dieser City, hat etliche dort lebendende Menschen kennen gelernt (denn sie hat auch Kommunikationstalent), und darüber Storys geschrieben. Yes, storys, not stories. Why? Why not. Well, she tells storys. Short storys, sometimes very short ones. Aber das passt sehr gut zum knappen, genauen Stil der Erzählerin, zu ihrem herzlich trockenen Humor und ihrer raffiniert naiven Weltbetrachtung.

Andrea Grill, als fußwanderfreudige Stadtführerin (in drei Wochen "drei Paar Schuhe verschlissen"), zeigt uns in exemplarischen Ansichten ihr New York-Bild. Dazu gehören persönliche Bekanntschaften, wie jene mit der "4 mal 21 Jahre alten" Psychoanalytikerin Erika und deren Freundin Lucie, Modeschöpferin: beide jüdischer Herkunft und mit Wien-Bezug. Dazu gehören auch Alltagsbegegnungen mit Taxifahrern, einem Schuhmacher und Edelsteinhändler, oder mit Meister Celsius, dem "ersten Magier meines Lebens".

Mit wenigen trefflichen Strichen (wie die ihr befreundete Zeichnerin Lena aus Wien) umreißt die Autorin die Stadtluft, die Stadtstimmung, den Stadtcharakter: "Auf der Straße spricht man in Großbuchstaben . . . hier wohnt Kurzweil, hier wurde singularity erfunden", und hier ist "der Moment des Nicht-Denkens absolut notwendig".

Außerdem gibt uns Andrea Grill ein bisschen historische Nachhilfe, ein paar praktische Shoppingtipps und ein schönes Beispiel ihrer Geschicklichkeit: nach einem Nick Cave-Konzert ergattert sie einen drumstick des Drummers Jim Sclavunos. Nicht verwunderlich, sie ist ja eine mehrseitig talentierte Frau.

Andrea Grill: Liebesmaschine N.Y.C. Storys. Otto Müller Verlag, Salzburg/Wien 2012, 131 Seiten, 18,- Euro.




Schlagwörter

Rezension, Extra, Literatur

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-27 14:23:02
Letzte Änderung am 2012-07-27 15:20:47


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