
Valentinstag, Lynn Kellogg ist auf dem Weg nach Hause, zu einem netten Abend mit ihrem Lebensgefährten Charlie Resnick. Da kommt eine Meldung über Polizeifunk: kämpfende Jugendliche. Lynn übernimmt, stürzt sich allein in eine unübersichtliche Situation. Da fällt ein Schuss, sie wird ebenso getroffen wie eines jener Mädchen, die sich bekämpft haben. Später behauptet der Vater des inzwischen verstorbenen Mädchens, sie habe seine Tochter als Schutzschild benützt. Lynn gerät zwischen die Fronten von Medien und Polizei, verletzt und verunsichert ist sie sich der eigenen Erinnerungen nicht mehr sicher. Ihr Kollege und Lebensgefährte Charlie Resnick soll den Fall übernehmen. Lynn kehrt langsam in die Arbeit zurück, beschäftigt sich mit Ermittlungen rund um einen Prostituiertenmord und stößt an unsichtbare Mauern: Zeugen verschwinden eingeschüchtert, eine Sondereinheit beschäftigt sich ebenfalls mit dem Fall, hat jedoch andere Ziele. Genau das beginnt Lynn aber erst viel zu spät zu verstehen, sie gerät selbst ins Visier der dubiosen Machenschaften zwischen mafiaähnlichen Vereinigungen und Polizei. Großbritannien zwischen Multikulti und Milieuproblematik, Sozialkritik und Blicke hinter die Kulissen der Polizei, Machtkämpfe, Intrigen und der ganz normale Wahnsinn eines Polizistenlebens. Dieser Krimi ist mehr als eine Mordermittlung, konfrontiert den Leser mit der Realität hinter der Täter-Opfer-Fassade. Ein bisschen problematisch ist der Wechsel der Hauptfigur in der Mitte der Handlung. Das verstört, gewollt vielleicht, ist aber ein echter Bruch im Erzählfluss, den man als Leser erst einmal verdauen muss. Dennoch ein ungewöhnliches, interessantes Buch.
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Artikel erschienen am 3. August 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S.31
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