
Maria Brecht verbringt ihren Urlaub mit einer Freundin und deren Sohn in Kreta. Von der aktuellen Krise ist im Hotel nichts zu spüren. Dann macht Maria einen Fahrrad-Ausflug in die Berge, ohne Wasser. Dort begegnet sie einem Mann, fragt ihn nach etwas zu trinken, sieht Blutflecken, Schleifspuren. Sie will fliehen, er verfolgt sie. Sie wirft einen Stein, trifft ihn. Die Polizei wird geholt, da eskaliert die Situation. Plötzlich ist "die Deutsche" eine Täterin, wird von den Medien angeprangert. Der Kommissar bietet ihr einen Fluchtpunkt an - ausgerechnet Athen. Eine Stadt als Krisenschauplatz, voll Müll, Demonstrationen, leeren Geschäften, verzweifelten Menschen. Und voller Spekulationen, wie es weitergehen könnte: politische Intrigen, ein drohender Putschversuch. Wer profitiert eigentlich von so einer Krise? Hintergründig schleichen sich immer neue Drahtzieher in die Geschichte ein. Maria lernt hinter die Fassaden zu blicken, um zu überleben. Sie ist die einzige Zeugin, die womöglich die richtigen Schlüsse ziehen könnte. Das "Perseus-Protokoll" zeichnet ein mögliches Bild der griechischen Krise, zieht Parallelen zum Militär-Putsch der 1960er Jahre. Die Krimihandlung macht das Ganze spannend, letztlich ist es aber das detaillierte Hintergrundwissen des Autors, das den Krimi zu etwas Besonderem macht. Eine Spekulation über das griechische Drama und seine Drahtzieher. Chaos und Krise als Nährboden für Finanzhaie und Spekulanten - ein Buch, das auch Griechenland-Insider zu überraschen und unterhalten vermag, gerade weil es gewisse Gedankengänge zu Ende bringt, die Extreme in Bilder fasst und das Ganze in einen spannenden Krimi gießt.
Kai Hensel: Das Perseus-Protokoll. Frankfurter Verlagsanstalt; 19,90 Euro
Artikel erschienen am 10. August 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S.30
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