Die Zeit ist nicht nur ein sonderbar Ding, sondern auch ein verflixtes. Da gründet man etwa eine Familie, einen Verein, eine Partei, einen Staat, eine Religion oder eine ähnlich bedeutungsschwere Organisation, mit deren Hilfe das Leben gemeistert werden soll, gründet sie in der festen Absicht, das Beste daraus zu machen - doch allmählich, mit der Zeit, verkümmern die zielstrebigen Kräfte, während die systemerhaltenden Oberhand gewinnen, und schließlich wird das Mittel zum Zweck. Genau so ergeht es auch der Fred-Toppler-Stiftung, gegründet nach dem Tod des namengebenden amerikanischen Millionärs von dessen Witwe, und zwar in der Absicht, die europäische Zivilisation zu befördern. Das aktuelle Jahresthema der Stiftung lautet übrigens "Innovation und Governance: das Versprechen der Szientometrie".
Damit das zum Zweck gewordene System sich am Leben erhält, bedarf es unterhaltender Mittel. Ein solcher Mittelsmann im Dienste besagter Stiftung ist Dr. Norman Wilfried, Mitglied des von Arthur Koestler gegründeten Clubs der "Herren Callgirls", also ein versierter Vortragsreisender und prominenter Wanderredner, der sich dafür bezahlen lässt, sein Publikum rhetorisch zu erregen und intellektuell zu befriedigen. Auf der Jahrestagung der Stiftung wird er seinen viel gerühmten, weltweit erprobten Standardvortrag über die Methodologie der wissenschaftlichen Erforschung der Wissenschaftsforschung halten, das Produkt "lebenslangen Nachdenkens und Studierens".
Dr. Wilfried landet also planmäßig auf der (übrigens fiktiven) griechischen Insel Skios, wo sich die Stiftung auf nobelste Weise breitgemacht hat. Zugleich mit ihm trifft ein gewisser Oliver Fox ein, ein alerter Sunnyboy und Mittelklassecasanova, der sich hier mit einer seitensprungbereiten Georgie vergnügen will.
Doch dazu kommt es ebensowenig wie zu Dr. Wilfrieds Vortrag. Denn erstens läuft Oliver Nikki, die attraktive Organisatorin der Veranstaltung, übern Weg, und zweitens hat der Demiurg dieser Inselstory etwas anderes im Kunstsinn: er verknüpft, verbandelt, verschlingt die Schicksalsfäden seiner Figuren auf entzückend satirische und erquickend glaubwürdige Art.
Michael Frayn, geboren 1933, populärer englischer Prosa- und Theaterautor, über typisch britische Spracheleganz, Lebenswitz und Bühnenerfahrung verfügend, entwickelt nach dem Muster von Shakespeares Lustspielen über Irrungen und Wirrungen und unter dem Einsatz situationskomischer Elemente à la Feydeau eine (liebes-)tolle Verwechslungs- und Verstörungsgeschichte, die auf die Erkenntnis hinausläuft: Das Gegenteil von Schein ist nicht Sein sondern Widerschein.
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