Viel gelesen wird Gerhart Hauptmann (1862-1946) heute nicht mehr. Seine Novelle vom "Bahnwärter Thiel" ist zwar noch immer Schullektüre, und seine naturalistischen Dramen erweisen sich auch heute als erstaunlich gut inszenierbar, aber sein eigenartig mystisches Spätwerk ist in der literaturhistorischen Versenkung verschwunden, und auch als Dichterpersönlichkeit hat sich Hauptmann nicht behaupten können. Am ehesten in Erinnerung geblieben ist er noch als skurriler Mynheer Peeperkorn in Thomas Manns "Zauberberg".
Nun hat der Berliner Germanist Peter Sprengel eine umfassende Biografie des einstigen deutschen Dichterfürsten vorgelegt, die nicht nur aus reichen Quellen schöpft, sondern auch großartig erzählt ist. Mehr noch: Hauptmanns Lebensgeschichte wird bei Sprengel zu einem Stück deutscher Geistes- und Mentalitätsgeschichte, zum Lehrstück über die eigenartige Vermengung von Bürgerlichkeit und utopischen Fantasien.
Peter Sprengel: Gerhart Hauptmann. Bürgerlichkeit und großer Traum. Biografie. C.H. Beck, München 2012, 848 Seiten, 39,10 Euro.
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