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Update: 12.10.2012, 14:56 Uhr
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Konstruierter Kitsch

Mankell, Henning: Erinnerung an einen schmutzigen Engel


Von Peter Mohr

"Im Grunde beruht alles, was ich schreibe, auf einer Wahrheit", heißt es in Henning Mankells Nachwort zu seinem neuen, wieder in Afrika angesiedelten Roman.

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Parallel zu seinen millionenfach verkauften Wallander-Krimis hat der Schwede seine Leser erzählerisch wiederholt auf den Schwarzen Kontinent entführt, wo er selbst in Maputo (Mosambik) ein Theater betreibt und einen zweiten Wohnsitz unterhält. Von "Der Chronist der Winde" (2000) bis "Die flüsternden Seelen" (2007) waren seine Afrika-Geschichten stets von großem emanzipatorischen und aufklärerischen Furor beseelt.

Information

Henning Mankell: Erinnerung an einen schmutzigen Engel. Roman. Übersetzt von Verena Reichel. Zsolnay Verlag, Wien 2012, 348 Seiten, 19,99 Euro.

Nun erzählt Mankell den (halb fiktiven) Lebensweg einer Frau, die es zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Schweden nach Mosambik verschlägt. Jung verlässt Hanna ihre nordschwedische Heimat, bringt sich und ihre jüngeren Geschwister als Magd in einer Hafenstadt durch. Dann heuert sie als Köchin auf einem Frachtschiff an und stürzt sich in die Ehe mit dem Steuermann.

Schon dieser biografische Prolog wirkt arg konstruiert. Danach wird es fürwahr abenteuerlich, und Mankells Protagonistin erinnert zunehmend an Isabel Allendes "heldenhafte" Frauenfiguren. Hanna landet nach schmerzlicher Schifffahrt (sie wird auf der Reise Witwe) in der portugiesischen Kolonie Mosambik; ihr Hotel "O Paraiso" entpuppt sich als Bordell.

Hanna macht Karriere, erbt ein Riesenvermögen und genießt als "weiße Frau", gleichsam als doppelte Außenseiterin in der hierarchischen afrikanischen Gesellschaft, eine stattliche Reputation. Das streift haarscharf die Grenze zum Kitsch. Unbefriedigend auch der halboffene Romanausgang, bei dem ein mysteriöses Pulver im Spiel ist: "Als das Dienstmädchen am folgenden Tag das Zimmer betrat, lag das Entgelt in einem Kuvert auf dem Tisch. Ihre Taschen waren verschwunden. Niemand hat sie je wieder gesehen."

"Ich bin jetzt über sechzig, und nach allem, was ich erlebe, hat das Alter wenig Gutes an sich", sagte Mankell jüngst in einem Interview. Nach der Lektüre dieses Buchs steht (leider) zu vermuten, dass auch die große Zeit dieses Autors schon passé sein könnte.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-12 14:26:05
Letzte Änderung am 2012-10-12 14:56:31


Französischer Text wurde aus Sprechblase entfernt

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