• vom 15.10.2012, 14:33 Uhr

Bücher aktuell

Update: 15.10.2012, 16:11 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Kaiser Franz Joseph, der Schwerenöter


Von Andreas Pittler

Franz Joseph hatte Glück: Es gab noch keine Paparazzi.

Franz Joseph hatte Glück: Es gab noch keine Paparazzi.© Archiv Franz Joseph hatte Glück: Es gab noch keine Paparazzi.© Archiv

Der Doyen der österreichischen Historikerzunft, Friedrich Weissensteiner, erinnert an den sagenhaften König Midas. Alles, was er angreift, wird zu Gold. Wie kaum jemandem gelingt es ihm, selbst Themen, die an sich schal und banal anmuten - ehrlich: Wen soll es heute noch interessieren, welche amourösen Techtelmechtel einst den alten Kaiser umtrieben? -, auf eine Weise aufzubereiten, dass man mit einem Mal seine Vorurteile über Bord wirft und sich doch mit den "Frauen im Leben Kaiser Franz Josephs" zu beschäftigen beginnt.

Werbung

Da ist natürlich vor allem einmal Sisi, die Kaiserin, die zu Beginn ihrer Beziehung zu Österreichs Herrscher von ihrem Filmimage gar nicht so sehr entfernt war. Doch Weissensteiner beleuchtet auch jene Phasen der Ehe, die Marischka nicht mehr zeigte. Die Kaiserin kapselte sich mehr und mehr von ihrem Ehemann ab, der darunter nicht wenig litt. Insofern mag es fast zwangsläufig gewesen sein, dass der Habsburger Trost in den Armen einer anderen suchte. Mochte seine Liaison zur Burgschauspielerin Katharina Schratt noch irgendwie platonisch gewesen sein, bei Anna Nahowski ging der Imperator ganz offenbar aufs Ganze. Hätte es dazumal schon Paparazzi und Sensations-Gazetten gegeben, die Hofburg wäre in einer weitaus prekäreren Lage gewesen als gut hundert Jahre später der Buckingham-Palast bei seinen Sorgenkindern.

Gesamtgeschichte der letzten Phase der Monarchie
Weissensteiner zeigt aber auch das durchaus ambivalente Verhältnis Franz Josephs zu seiner herrischen Mutter Sophie auf, gegenüber der er sich erst mühevoll emanzipieren musste. Schließlich erfahren wir noch einiges über den erstaunlich liebevollen Vater Franz Joseph, der seine beiden Töchter sichtlich mit wesentlich mehr Verständnis begleitete, als dies der unglückliche Rudolf je erfahren durfte. Franz Joseph wurde dies wohl erst bewusst, als es zu spät war, und so trachtete er bei Rudolfs Tochter Elisabeth gutzumachen, was er bei Rudolf selbst versäumt hatte.

Der Leser erfährt so eine ganze Menge über den Privatmann Franz Joseph, den Gatten, Vater und Opapa. Und ehe man es sich versieht, hat der weise Nestor der heimischen Wissenschaft uns auf geniale Weise eine Gesamtgeschichte der letzten Phase der Monarchie vorgelegt, wovon auch jene profitieren, die eigentlich nur wissen wollten, ob Franz Joseph sich seinerzeit wie Prinz Charles aufführte. Geschichte zum Anfassen, die im besten Wortsinne der alten Maxime "prodesse et delectare" (Nützen und Erfreuen) entspricht.

Sachbuch

"Ich sehne mich sehr nach dir" - Frauen im Leben Kaiser Franz Josephs.

Friedrich Weissensteiner Amalthea, 256 Seiten




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-15 14:38:06
Letzte Änderung am 2012-10-15 16:11:11


Französischer Text wurde aus Sprechblase entfernt

Flämischer Politiker wütet gegen Comic

Schuiten - Zeichnung: François Schuiten, Collage: WZ Online Der Sprachenstreit zwischen Flamen und Wallonen in Belgien wird von Politikern jetzt auch auf Comics übertragen. Auf Veranlassung eines flämischen... weiter




Von Disney bis Underground

"Gratis-Comic-Tag" am 11. Mai

20130510Die Simpsons - Der Film - APAweb/dpa Berlin. Beim Gratis-Comic-Tag werden am Samstag (11. Mai) in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 300.000 kostenlose Hefte verteilt... weiter



Werbung




Beliebte Inhalte



Emmelie de Forest holt den nächsten Song Contest nach Dänemark. - APAweb / AP / Alastair Grant
  • Emmelie de Forest setzte sich mit "Only teardrops" gegen 25 Konkurrenten durch.
  • weiter

  • Formel 1, Radio-Symphonieorchester und 250 Jobs stehen zur Diskussion.
  • weiter

Jon Bon Jovi stand glücklich im Regen. - APAweb/Herbert Pfarrhofer
  • Pollen konnten dem Sänger diesmal nichts anhaben.
  • weiter

 - APA (epa) Eine Sturmflut kurz vor dem Pfingstwochenende hat an den Stränden an der Oberen Adria schwere Verwüstungen angerichtet...weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Reinhard Göweil In Tirol liebäugelt die ÖVP-Führung mit einer Koalition mit den Grünen. In Salzburg geht sich das zwar rechnerisch nicht aus...weiter

  • Der Streit um religiöse Symbole ist ein Nebenschauplatz
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter





Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung