• vom 11.03.2013, 15:53 Uhr

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Update: 02.09.2013, 09:29 Uhr

Orientierungssinn

Knapp, Natalie: Kompass neues Denken




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Von Wolfgang Taus

  • Tipps für einen neuen Orientierungssinn

Haben wir den richtigen Kompass für unser Leben? - © corbis

Haben wir den richtigen Kompass für unser Leben? © corbis

In unserer turbulenten Welt verliert sich die empirisch-materialistisch ausgerichtete Zukunftsplanung immer mehr. Was bleibt, sind Ungewissheiten. Die deutsche Religionsphilosophin Natalie Knapp versucht mit diesem hellsichtigen Buch Abhilfe zu schaffen und steht dem Leser mit Rat und Tat zur Seite, um einen neuen Orientierungssinn zu entfalten. Gerade unsere Orientierungslosigkeit öffnet den Freiraum, den das Leben brauche, um sich neu auszurichten.

Information

Natalie Knapp: Kompass neues Denken - Wie wir uns in einer
unübersichtlichen Welt orientieren können. Rowohlt, 256 Seiten, 10,30
Euro.


Ja, bekräftigt die Autorin, es ist möglich, günstige Umstände dafür zu schaffen. Dafür brauche es Offenheit. Die Kunst bestehe darin, für eine gewisse Zeit ohne ein Ziel auszukommen. Das fällt in unserer ergebnisorientierten Kultur am schwersten. Selbst die klassischen "Nutzlosigkeitstechniken" wie Meditation und Kontemplation wurden inzwischen von Wissenschaftern und Managern in den Kreislauf der "Nützlichkeit" eingemeindet, hält Knapp fest.

Längst haben wir Darwins "Kampf ums Überleben" auf unseren Alltag übertragen. Man geht ins "Fitnessstudio", liest stapelweise Rategeber-Bücher, um sich selbst zu optimieren. Der Glaube, mit allem und jedem in Konkurrenz zu stehen, ist weit verbreitet.

Erst langsam dämmert allerdings die Einsicht herauf, dass die Fähigkeit zu Mitgefühl und konstruktiver Zusammenarbeit die Entwicklung der menschlichen Spezies ermöglicht hat, hält Knapp mit Recht fest.

Das Neue kommt in die Welt, in dem sich bereits Bestehendes auf Beziehungen einlässt. Wenn diese Beziehungen ein neues Ganzes hervorbringen, das mehr kann als die Summe seiner Teile, dann spricht man von "Emergenz". Emergenz ist wie in der Biologie der Begriff der Mutation. Der Augenblick der Emergenz könne nicht vorhergesagt werden. Was man aber tun könne, ist gute Bedingungen dafür zu schaffen - "in die Ungewissheit hinein".

Das Geheimnis der Entwicklung heißt "Kommunikation", und zwar nicht als zielgerichteter Informationsaustausch, sondern als spielerische Form der Begegnung, bei der sich Gemeinschaft ausbildet. Dies vollziehe sich zunächst ohne zielgerichtetes Bewusstsein, aber mit wachsender Komplexität entstünde die Fähigkeit des Bewusstseins und damit auch des absichtsvollen Handelns, schreibt Knapp. Es komme darauf an, ob wir in scheinbar alternativlosen Szenarien Handlungsmöglichkeiten erkennen und umsetzen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-03-11 15:56:05
Letzte Änderung am 2013-09-02 09:29:35



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