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Update: 02.09.2013, 12:20 Uhr

Litauen

Wette, Wolfram: Feldwebel Anton Schmid




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Von Rainer Mayerhofer

  • "So etwas wie ein Heiliger"
  • Der Wiener Anton Schmid rettete in der NS-Zeit hunderten Juden in Litauen das Leben.

Anton Schmid bezahlte seine Hilfe mit dem Leben.

Anton Schmid bezahlte seine Hilfe mit dem Leben.© Yad Vashem Anton Schmid bezahlte seine Hilfe mit dem Leben.© Yad Vashem

90 Österreicher befanden sich zum Stichtag 1. Jänner 2012 unter den 24.355 Menschen, die Israel als "Gerechte unter den Völkern" ausgezeichnet hat. 1967 wurde in diese Ehrenliste der Wiener Anton Schmid aufgenommen, der  als Feldwebel der deutschen Wehrmacht in der damals besetzten litauischen Hauptstadt Wilna hunderte Juden vor Deportation und Ermordung gerettet hat. "Für uns war er  so etwas wie ein Heiliger", sagten Überlebende des Holocaust Jahrzehnte nach dem Tod Schmids, der für seine Hilfe von den Nazis mit dem Tod bestraft wurde.

Information

Wolfram Wette: Feldwebel Anton Schmid - ein Held der Humanität. S. Fischer Verlag, 312 Seiten, 25,70 Euro.


Der deutsche Historiker Wolfram Wette hat aus den spärlichen Dokumenten, die über das Leben Schmids erhalten geblieben sind, eine  beeindruckende Biografie geschaffen, die in die Geschehnisse rund um die Judenverfolgung in Litauen eingebettet ist.

Anton Schmid, am 9. Jänner 1900 in Wien als Sohn eines mährischen Zuwanderers geboren, absolvierte eine Lehre als Elektrotechniker,  war in den letzten Monaten des Ersten Weltkriegs noch an der italienischen Front eingesetzt und eröffnete nach einer kurzen Zeit  bei der Post 1919  in der Brigittenau, in der damals  überdurchschnittlich viele Juden lebten, ein Elektrogeschäft. Nach dem Anschluss half er vielen jüdischen Menschen bei der Flucht über die grüne Grenze in die Tschechoslowakei. 1941 wurde Schmid als Feldwebel nach Wilna versetzt, wo er  die Versprengten-Sammelstelle der Feldkommandantur 814 übernahm. Sie hatte den Auftrag, herumirrende deutsche Soldaten, die die Feldgendarmerie aufgegriffen hatte, zu verhören und wieder an die Front zu schicken.

Sofort nach der Eroberung Wilnas durch die Hitler-Armee am 24. Juni 1941  hatten die Maßnahmen gegen die rund 60.000 in Wilna lebenden Juden begonnen, die größtenteils durch  litauische Hilfspolizisten durchgeführt wurden. Im Wald von Ponary wurden Tausende ermordet. Als Schmid im September in Wilna eintraf, waren die Massaker im vollen Gang. "Hier waren sehr viele Juden, die vom litauischen Militär zusammengetrieben und auf einer Wiese außerhalb der Stadt  erschossen wurden, immer so 2000 bis 3000  Menschen. Die Kinder haben sie auf dem Weg gleich an die Bäume angeschlagen -  kannst Du Dir das vorstellen?", schrieb Schmid kurz vor seiner Hinrichtung an seine Frau und seine Tochter in Wien.

Schmid half von Anfang an jüdischen Verfolgten. Einem Mann verschaffte er mit dem Soldbuch des gefallenen Soldaten Max Huppert  eine "arische" Identität, steckte ihn in eine Wehrmachtsuniform und machte ihn  zum Schreibstubensoldaten in seiner Behörde. Bei einer Razzia begegnete er der entkommenen Luisa Emaitisaite, verbarg sie tagelang in seiner Wohnung, verschaffte ihr neue Papiere und beschäftigte sie ebenfalls in seiner Abteilung. Später kam noch das Ehepaar Hermann und Anita Adler dazu.

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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2013-05-27 15:05:07
Letzte Änderung am 2013-09-02 12:20:13



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