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Update: 26.08.2013, 16:48 Uhr

Stress

Bauer, Joachim: Arbeit




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Von Eva Maria Bachinger

  • Arbeit macht glücklich und mitunter krank

Die Arbeitssituation kann ein Burn-out zur Folge haben. - © corbis

Die Arbeitssituation kann ein Burn-out zur Folge haben. © corbis

Dieses Buch zu lesen bedeutet Arbeit: Der deutsche Neurobiologe Joachim Bauer hat viele Daten, Erkenntnisse und Meinungen zum Thema Arbeit gesammelt. Er spannt fundiert und unaufgeregt den Bogen von der ablehnenden Haltung der Griechen gegenüber körperlicher Arbeit über die moderne Arbeitswelt bis zur Fähigkeit zur Muße.

Information

Joachim Bauer: Arbeit. Warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht. Blessing, 272 Seiten, 20,60 Euro.


Sich da durchzuarbeiten dauert, aber es lohnt sich: Erhellend ist zum Beispiel die Erklärung, warum das allerorts geforderte und positiv besetzte Multitasking so krankmachend ist. Aus Sicht der Hirnforschung bestehe die optimale Art von Stress darin, sich auf eine konkrete, klar definierte und beherrschbare Aufgabe konzentrieren zu können, schreibt Bauer. Viele moderne Arbeitsplätze lassen aber das nicht mehr zu, sondern verlangen die Fähigkeit, alles gleichzeitig bewältigen zu können und eine "breit gestreute, aber flache Aufmerksamkeit".

Das Gehirn aktiviert in diesen Situationen ein Stresssystem, welches darauf eingestellt ist, dass jederzeit was passieren kann, ohne zu wissen was und wann. Man ist immer am Sprung, angespannt und unruhig. Das sei ein zivilisatorischer Rückschritt: Denn diese Reaktion stammt von unseren Vorfahren vor Jahrmillionen, die in der Steppe auf viele Gefahren achten mussten. Eine permanente Überaktivierung des Reiz- und Gefahrensuchsystems ruiniert nicht nur Konzentration und Merkfähigkeit, sondern verursacht auch psychische Erkrankungen, unter anderem Demenz.

Neben dem Druck der ständigen Verfügbarkeit sei Instabilität im Berufsleben ein Dauerzustand geworden, die Oberflächlichkeit triumphiere. Bauer warnt deshalb auch davor, Burn-out als Modediagnose abzutun beziehungsweise als vorgeschobene Diagnose für Depression zu sehen. Burn-out sei eine Folge der Arbeitssituation, es gebe wichtige Unterschiede zur Depression.

Damit Arbeit stärkt, sei Resonanz wichtig und wenn die Liebe zu dem nicht verloren geht, was dem Menschen auch Freude machen kann: das Spiel, die Musik, Bewegung, das zwecklose Verweilen, das Träumen und absichtslose Zusammensein mit anderen Menschen. Bauer ist überzeugt: "Nicht der Mensch ist an die Arbeit anzupassen, sondern die Arbeit ist für den Menschen da."




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-06-10 14:53:07
Letzte Änderung am 2013-08-26 16:48:42



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