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Update: 02.09.2013, 09:44 Uhr

Wirklichkeit

Gabriel, Markus: Warum es die Welt nicht gibt




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Von Wolfgang Taus

  • Die Welt - eine Vielzahl von Wirklichkeiten

Es gibt keine Weltformel, die alles beschreibt. Dies liegt nicht daran, dass wir sie bisher nicht gefunden haben, sondern daran, dass sie gar nicht existieren kann.

Information

Markus Gabriel: Warum es die Welt nicht gibt. Ullstein Verlag, 271 Seiten, 18,50 Euro.


Der deutsche Philosoph Markus Gabriel stellt provokante Thesen auf, um zu erklären, warum es die Welt (gemeint ist "die Wirklichkeit" als solche) nicht gibt. Vielmehr gebe es eine Vielzahl von "Wirklichkeiten", zu denen auch die Träume gehören. Die Frage ist niemals einfach, ob es so etwas wie "Polizeiuniform tragende Einhörner auf der Rückseite des Mondes" überhaupt gibt, sondern immer auch, wo es etwas gibt, erklärt er scharfsinnig.

Denn alles, was existiere, existiere irgendwo - und sei es nur in unserer Einbildung. Die Welt sei weder ausschließlich die Welt ohne Zuschauer noch ausschließlich die Welt der Zuschauer. Dies ist der vom Autor so gepriesene "neue Realismus". Der alte Realismus, sprich die Metaphysik, interessierte sich nur für die Welt ohne Zuschauer, während der Konstruktivismus recht narzisstisch die Welt und alles, was der Fall ist, auf unsere Einbildungen gründete. Beide Theorien führen zu nichts, folgert Gabriel.

Menschheit befindet sich auf gigantischer Expedition
Alles, was wir erkennen, sind Ausschnitte von Unendlichem, das selbst weder ein Ganzes sei noch als Supergegenstand existiert. Das Fernsehen kann uns etwa von der Illusion befreien, es gebe die eine, alles umfassende Wirklichkeit.

Dass es die Welt als solche nicht gibt, sei eine erfreuliche Nachricht. Denn es gibt keinen Supergegenstand, dem wir ausgeliefert seien, solange wir leben, sondern wir sind in unendliche Möglichkeiten verstrickt, uns dem Unendlichen anzunähern. Denn nur auf diese Weise sei es möglich, dass es alles gibt, was es gibt, meint Gabriel.

Der Sinn des Lebens sei das Leben selbst, die Auseinandersetzung mit unendlichem Sinn, an der wir glücklicherweise teilnehmen dürfen. Die Menschen sollten demzufolge die Suche nach der alles umfassenden Grundstruktur des Lebens aufgeben und stattdessen gemeinsam versuchen, die vielen bestehenden Strukturen besser, vorurteilsfreier und kreativer zu verstehen, damit wir optimaler beurteilen können, was bestehen bleiben soll und was nicht.

Die Menschen befinden sich alle gemeinsam auf einer gigantischen Expedition - "von nirgendwo hier angelangt, schreiten wir gemeinsam fort ins Unendliche", schließt Gabriel. Lesenswert.




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Dokument erstellt am 2013-08-29 16:11:02
Letzte Änderung am 2013-09-02 09:44:32



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