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Update: 30.12.2013, 15:45 Uhr

Anthologie

Erdberger Lokalkolorit




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Von Bruno Jaschke

  • Die Anthologie "3er-Edition" vereint Autoren aus dem 3. Wiener Gemeindebezirk
  • Ein literarisches Bezirksporträt von Ernst Molden bis Hugo Portisch.

Heimatdichter: Ernst Molden auf Erdbergerisch.

Heimatdichter: Ernst Molden auf Erdbergerisch.© Magdalena Blasczuk Heimatdichter: Ernst Molden auf Erdbergerisch.© Magdalena Blasczuk

"Der dritte Bezirk ist ein Bezirk von Gegensätzen, wie es sie in Wien anderswo nicht gibt: vom proletarischen Erdberg über das noble Reisnerviertel mit seinen Diplomatenresidenzen, der vom Handel geprägten Landstraßer Hauptstraße bis zum Hundertwasserviertel und St. Marx, einst der Gegend der Lohnschlächter, heute ein Zentrum der Forschung und der Medien. Der Bezirk schöpft aus diesen Unterschieden."

So umriss Rudolf Zabrana bei der Präsentation des Buchs "3er-Edition" in einem Traditionsgasthaus in der Schlachthausgasse das weiträumige soziale Profil des dritten Wiener Gemeindebezirks, in dessen Verwaltung er die Funktion des Stellvertretenden Vorsitzenden bekleidet. Die Anthologie versucht, diese gesellschaftliche Vielfalt mit Texten von Autoren widerzuspiegeln, die im dritten Bezirk wohnen: Unter vielen anderen Ernst Molden, Dietmar Grieser, Peter Henisch, Sigrun Höllrigl, Erwin Uhrmann, Alexander Peer, Heinz Unger, Julya Rabinovich oder auch - ein bisserl Schummeln beim Etikett "Literatur" darf’s dem Namedropping zuliebe sein - Hugo Portisch.


Pionier Margareten
Erstmals realisiert wurde die Idee eines kontemporären literarischen Bezirksporträts vor einem Jahr. Da hatte der Margaretner Autor und Kunstmaler Mathias Handwerk die Vision, alle Schriftsteller des fünften Bezirks für einen Abend gewissermaßen unter einer Leselampe zu versammeln und ihre Texte vortragen zu lassen. Im November 2012 erfüllte sich diese Vision in Form einer Marathonlesung in einem Lokal im Schlossquadrat. Harald Pesata, Dialektdichter und Margaretner aus Passion, konservierte den Abend für die Nachwelt als Herausgeber eines 300 Seiten starken Bandes mit Texten von Margaretner Autoren für die Nachwelt. Elisabeth Schmidt übernahm mit dem Verlagshaus Hernals die Veröffentlichung der Anthologie, die den Titel "5er-Edition" bekam.

Dialekt und Lyrik
Das gleiche Team hat nun die "3er-Edition" aus der Taufe gehoben. Sie ist um gut 100 Seiten dünner als ihr Vorgänger. Was Ernst Molden einmal gesagt hat - "Ich möchte weniger Worte verlieren" -, scheinen sich etliche andere Autoren auch vorgenommen zu haben: Die größere Zahl der Texte ist relativ kurz. Die Beiträge Moldens bestehen übrigens aus drei Texten seines im wahrsten Wortsinn lyrischen und tatsächlich prononciert "erdbergerischen" Lieder-Albums "Es Lem" von 2011. Bei den meisten Geschichten und Gedichten aber beschränkt sich das Lokalkolorit auf die Tatsache, dass sie aus der Feder einer Person stammen, die im Dritten wohnt.

Das Repertoire enthält viel Dialekt, der sich besonders gut in der Kaputtnik-Lyrik Norbert Mayerhofers macht. Noch die "Schule" der Selbsterfahrungsschreibe der 70er Jahre verraten die Geschichten von Marianne Sula, Eva Geber oder Eva Bauer. Schön die verdichtete Lyrik Erich Uhrmanns; recht sarkastisch ein Baltikum-Reisejournal Alexander Peers.

Mehr als die Buchedition - die sei einfach eine schöne bleibende Erinnerung an den Abend - zählt bei diesen Projekten für Herausgeber Pesata die gemeinsame Lesung aller Autoren aus dem Bezirk. Aller verfügbaren halt. Denn für die Präsentation der "3er-Edition" wurde die viele darin enthaltene nominelle Prominenz insofern zum Bumerang, als diese fast geschlossen durch Abwesenheit glänzte. Einzig Dietmar Grieser, der einen lustigen Text über einen Besuch bei Kollegin Barbara Frischmuth las, gab von den großen Namen sich die Ehre. Das Fehlen der übrigen tat der Stimmung bei der Veranstaltung indes keinen Abbruch.

Der nächste Wiener Bezirk, dem eine literarische Dokumentation widerfährt, wird der 17. sein - für das Verlagshaus Hernals also eine Art Heimkommen. Einmal noch wird das Buch Harald Pesata herausgeben; danach wird er, wie er der "Wiener Zeitung" verrät, die Edition abgeben. "Es ist nicht ganz einfach, 30 Autoren für so ein Projekt zusammenzubekommen. Ich mache das ja nicht hauptberuflich und will mich wieder auf mein eigenes Schreiben konzentrieren können."




Schlagwörter

Anthologie, Bezirksportrt

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-11-21 17:53:04
Letzte nderung am 2013-12-30 15:45:18



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