• vom 16.12.2013, 15:15 Uhr

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Update: 16.12.2013, 16:39 Uhr

Konsumwelt

Zacharia, Elisabeth: Warum Kühe lachen und Hühner nicht weinen




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Von Rainer Mayerhofer

  • Die heile Welt und die Wahrheit

Viele Menschen würden das Steak  auf ihrem Teller nicht essen wollen, hätten sie es im Urzustand gesehen, meint die Journalistin Elisabeth Zacharia in ihrer schonungslosen Abrechnung mit der Konsumwelt, wenn sie darauf hinweist, dass Rindern mit Hormoncocktails täglich bis zu drei Kilogramm Gewicht hinaufgefüttert wird. Die Getreidemenge, mit der man 100 Schlachtkühe  ernährt, würde für 2000 Menschen reichen. Alle Schlachttiere der Welt benötigen eine Futtermenge, die den Kalorienbedarf von 8,7 Milliarden  Menschen decken würde.

Hühner, die nie das Tageslicht sehen, denen gleich nach dem Schlüpfen die Schnäbel beschnitten werden, damit sie sich nicht gegenseitig auf engem Raum die Federn auspicken, Ferkel, denen ohne Betäubung die Ringelschwänze abgeschnitten werden, sind nur einige der Fakten, die in dem Buch "Warum Kühe lachen und Hühner nicht weinen" aufgezeigt werden. In Deutschland werden zwei Drittel aller Antibiotika in der  Tierzucht eingesetzt. Ein Garnelensalat erspare im Winter das Grippemittel, wird ein Sternekoch unter Hinweis auf die alles andere als appetitanregenden Aufzuchtbedingungen der Schalentiere in asiatischen Gefilden zitiert.


Hemmungsloser Zynismus
Die Autorin befasst sich aber auch mit den Tricks der Werbung und den Halbwahrheiten in Produktbeschreibungen. Ein höherer Preis ist keine Gewähr für ein besseres Produkt, Markenprodukte sind oft nicht besser als viel billigere Waren ohne klingende Namen und stammen mitunter aus den  gleichen Quellen. Bei Tests mit Fruchtsäften, als man das gleiche Produkt in verschiedenen Verpackungen anbot, zeigte sich, dass die Konsumenten oft nach der Hülle urteilten, nicht nach dem Inhalt.

Kritisch werden die unsäglichen Produktionsbedingungen etwa in der Textilbranche in Asien beleuchtet, die man auch als Sklaverei bezeichnen könnte. Und die Mülltransporte Europas nach Afrika, sowohl was Elektronikschrott betrifft als auch die Ausfuhr von Lebensmittelabfällen mit all ihren gesundheitlichen Folgen, sind ein Kapitel, das den hemmungslosen Zynismus der Konsumgesellschaft und der Konzerne sichtbar macht.

Sie habe ein Buch geschrieben, in dem alles steht, was wir im wirklichen Leben nicht sehen wollen, schrieb Elisabeth Zacharia im Vorwort. Wir sollten das hervorragend recherchierte Buch aufmerksam lesen und unsere Konsequenzen daraus ziehen, auch wenn sich unser Leben dadurch notgedrungen ändern wird.

Sachbuch
Elisabeth Zacharia: Warum Kühe lachen und Hühner nicht weinen. Goldegg , 349 Seiten, 19,95 Euro.




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Dokument erstellt am 2013-12-16 15:20:04
Letzte nderung am 2013-12-16 16:39:14



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