• vom 10.11.2014, 14:53 Uhr

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Religionswissenschaft

Die Blutspur der Religionen durch die Weltgeschichte




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Von Heiner Boberski


    "Soll ich meines Bruders Hüter sein?" Die Frage Kains nach der Ermordung seines Bruders Abel steht am Beginn von Karen Armstrongs Buch "Im Namen Gottes". Dessen Originaltitel "Fields of Blood" bringt die Thematik deutlicher auf den Punkt: die Blutspur, die sich aufgrund des Wirkens von Religionen durch die Weltgeschichte zieht. Dabei weist die renommierte britische Religionswissenschafterin den Vorwurf, Religion sei immer aggressiv, zurück; religiöse Menschen haben sich in ähnlichen Situationen oft ganz unterschiedlich verhalten, die einen gewalttätig, die anderen friedfertig und versöhnend.

    Armstrong stellt klar, wie sehr oft nationale, soziale und wirtschaftliche Faktoren religiöse Konflikte überlagerten, wie Staatsideologien sich mit religiöser Farbe ausstatteten und ein entsprechendes Gottesbild zimmerten. Das begann schon bei den Sumerern im dritten vorchristlichen Jahrtausend und reicht - vorläufig - bis zu den Dschihadisten des angebrochenen dritten nachchristlichen Jahrtausends. All die Kriege, Pogrome und Schandtaten, an denen religiöse Fanatiker oder häufig die Religion missbrauchende Akteure maßgeblich beteiligt waren, kann nicht einmal Armstrongs ebenso dickes wie gewichtiges Buch auflisten. Aber sie geht umfassend auf die Probleme ein und macht deutlich, dass Gewalt meist zu Gegengewalt führt.


    Den meist völlig schuldlosen Opfern solcher Gewalt gehört die volle Sympathie der Autorin. Die Frage "Soll ich meines Bruders Hüter sein?" beantwortet sie uneingeschränkt mit Ja.

    Sachbuch

    Im Namen Gottes.

    Religion und Gewalt

    Karen Armstrong

    Pattloch, 688 Seiten, 25,70 Euro




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    Dokument erstellt am 2014-11-10 14:56:02



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