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Update: 18.06.2015, 17:18 Uhr

Sachbuch

Rechte und Linke attackieren die EU




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Von Oliver vom Hove

  • Der Politikwissenschafter Anton Pelinka untersucht "Die unheilige Allianz" der politischen Extremisten gegen Europa.

Am rechten Flügel der "unheiligen" Anti-EU-Allianz (v.l.n.r.): Janice Atkinson (Großbritannien), Harald Vilimsky (Österreich), Marine Le Pen (Frankreich), Geert Wilders (Niederlande).

Am rechten Flügel der "unheiligen" Anti-EU-Allianz (v.l.n.r.): Janice Atkinson (Großbritannien), Harald Vilimsky (Österreich), Marine Le Pen (Frankreich), Geert Wilders (Niederlande).© apa/epa/Olivier Hoslet Am rechten Flügel der "unheiligen" Anti-EU-Allianz (v.l.n.r.): Janice Atkinson (Großbritannien), Harald Vilimsky (Österreich), Marine Le Pen (Frankreich), Geert Wilders (Niederlande).© apa/epa/Olivier Hoslet

Die Parteien der Mitte in Europa werden sich warm anziehen müssen. Gleich von rechts wie von links werden die Grundlagen ihrer auf Liberalität, Toleranz und Wertepluralismus abzielenden Politik zunehmend in Frage gestellt. Sowohl von Rechtsaußen wie von Linksaußen werden die Wähler mit einer Alternative zur demokratischen Mitte konfrontiert, die auf eine Ablehnung der Werte des europäischen Zusammenhalts und der politischen Gemeinschaft hinausläuft. Stattdessen sollen nationale Souveränität und das Schmoren im Saft einer vermeintlich ureigenen ethnischen Identität zurückerobert werden.

In nicht eingestandener Gemeinsamkeit kommen antisemitische Affekte hinzu, ebenso wie ein militanter Antiamerikanismus sowie - auf der rechtsextremen Seite - ein antiaufklärerischer Reflex und - bei den Linksextremen - ein antikapitalistischer Messianismus. Neuerdings reicht die Achse einer "unheiligen Allianz" von Frankreichs Front National über die FPÖ bis zur griechischen Syriza, wenn es etwa um das Antichambrieren bei Russlands Wladimir Putin geht.

Information

Anton Pelinka: Die unheilige Allianz. Die rechten und die linken Extremisten gegen Europa, Böhlau, 195 Seiten, 35 Euro


Die EU wird als neuer Hegemon wahrgenommen
Verstärkt wird die EU als ein neuer Hegemon wahrgenommen, der angeblich ohne demokratische Willensbildung die einzelnen Nationalstaaten unterjocht. Rechtsaußen wie Linksaußen sind beide grundsätzlich ablehnend gegenüber dem europäischen Einigungsprozess. Beide entstammen letztlich, worauf Anton Pelinka in seiner neuen Studie "Die unheilige Allianz. Die rechten und die linken Extremisten gegen Europa" hinweist, den verheerenden totalitären Traditionen des Stalinismus und des Nationalsozialismus. Pelinka schreibt dazu: "Gemeinsam ist diesen Phantasien die Flucht aus der komplexen Realität einer Gesellschaft, die nicht von einem einzigen Gegensatz (dem der ,Rassen‘ oder dem der Klassen) bestimmt ist, sondern von einander vielfach überkreuzenden Bruchlinien. Die im Extremismus des 21. Jahrhunderts fortlebenden totalitären Traditionen sind eine Flucht aus der Komplexität." Die Gegnerschaft zu einem europäischen Zusammenschluss hatten Rechte wie Linke von vornherein gemeinsam: 1954 etwa waren in Frankreich die Kommunisten ebenso vehement gegen die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) wie die Gaullisten.

Wo eine "unheilige Allianz" diagnostiziert wird, ist auch "das Heilige" in Form fundamentalistischer Gegenstellung nah: "Die Europäische Union kann ganz offensichtlich die Erwartungen von Fundamentalismus und Extremismus nicht erfüllen", konstatiert Pelinka. "Und damit kommt sie in Konflikt mit denen, die überall nach der heiligen Aufgabe suchen, die politischen Kreuzritter und Jihadisten der Gegenwart. Da die liberale Demokratie generell und die Europäische Union speziell sich nicht dafür eignen, zum positiven Subjekt heiliger Kriege zu werden, machen Extremisten sie zum negativen Objekt einer heiligen Sache. Gleichgültig, ob sie sich religiös verstehen oder nicht - sie agieren gedanklich in einer dichotomischen Gut-Böse-Welt des Entweder-Oder, in einer Welt, in der die Formel gilt, dass gegen ,uns‘ ist, wer nicht für ,uns‘ ist. Der politische Extremismus ist der frühchristlichen Gnosis verwandt, nach der zwischen der ,Civitas Dei‘ und der ,Civitas Mundi‘ keine Zwischenposition möglich ist."

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-06-18 15:26:06
Letzte nderung am 2015-06-18 17:18:14



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