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Hans Küng

Persönliche Erfahrungen mit sieben Päpsten




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Von Wolfgang Taus

  • Der Theologe Hans Küng, der zu einer Art "Leader der loyalen Opposition Seiner Heiligkeit" wurde, über die Petrusnachfolger der letzten Jahrzehnte.

Hans Küng schätzt Papst Franziskus.

Hans Küng schätzt Papst Franziskus.© D. Bockwoldt/epa/picturedesk.com Hans Küng schätzt Papst Franziskus.© D. Bockwoldt/epa/picturedesk.com

Das neue Buch des seit den 60er Jahren international für Aufsehen sorgenden Theologen, Papstkritikers und Fürsprechers eines über alle Religionen hinweg existierenden "Weltethos", Hans Küng (Jahrgang 1928), reiht sich nicht ein in die lange Reihe bisheriger Papst-Biografien. Es ist vielmehr eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit den sieben Päpsten, die er direkt oder indirekt erfahren hat. Er spricht von "oft unkonventionellen, aber begründbaren Erkenntnissen", die ihm in seinem Studium der Geschichte des Papsttums zuteil wurden.

Als "Insider des Katholischen", wie er sich selbst bezeichnet, hatte der Tübinger Theologe Küng zum Teil eine Art "Reichsunmittelbarkeit" mit den amtierenden Päpsten seiner Zeit. Es war gewissermaßen das Verhältnis einer "Unmittelbarkeit und Direktheit ohne Zwischeninstanzen und Beachtung eines Dienstweges, mit Ambivalenzen, positiv-konstruktiven wie negativ-konfrontativen Spannungen", schreibt er. In seinem Falle handelt es sich um die "Stimme eines Insiders, aber nicht die eines vatikanischen Höflings, sondern eines katholischen Theologen, der allen Schwierigkeiten zum Trotz loyal zu seiner Kirche" stand und steht; der erst durch - wie er meint - "konkrete Reaktionen" ganz bestimmter Päpste (insbesondere Johannes Paul II.) zu einer Art "Leader der loyalen Opposition Seiner Heiligkeit" gemacht wurde.


Aristokratisch, germanophil
Als junger Theologiestudent in Rom hat er genug Gelegenheit, den aristokratisch auftretenden, letzten unangefochtenen Vertreter des vorkonziliaren mittelalterlich-gegenreformatorisch-antimodernen Paradigmas, Papst Pius XII. (1939-1958) zu beobachten. "Menschenrechte und Demokratie" blieben diesem Papst weitgehend fremd. Der "ausgesprochen germanophile" Pius XII. agierte von Anfang an gegenüber den Verbrechen des NS-Regimes äußerst zurückhaltend. Für Eugenio Pacelli, den geborenen Römer, war Rom - nicht die Römer, sondern Rom - das "neue Zion". Römisch war für ihn jedes Volk, das den römischen Glauben lebt. In diesem "mittelalterlich-antijüdischen Sinne" war er römisch-katholisch, so Küng.

Als Konzilstheologe setzt der stets reformorientierte Küng auf den nachfolgenden Papst Johannes XXIII, dessen engagierte Kirchenreform von einem potenten konservativen Widerstand insbesondere in der römischen Kurie untergraben wird. Der frühere Patriarch von Venedig, Angelo Giuseppe Roncalli, zeigte sich ganz bewusst als Mensch, der auch den Juden, ja, allen Menschen "schlicht Bruder" sein wollte.

Entzug der Lehrerlaubnis
Besonders prägten die Päpste Paul VI. (1963-1978) alias Giovanni Montini, der während seines Papstamtes seine schützende Hand über den streitbaren Autor hielt; und Johannes Paul II. (1978 - 2005) alias Karol Wojtyla, der dem Theologen beharrlich das Gespräch verweigerte und ihm schließlich die Lehrerlaubnis für kirchlich anerkannte Theologie an der Universität Tübingen entzog, seinen Werdegang. Während Paul VI. sich vom Reformer zum Konservativen entwickelte, kehrte Johannes Paul II. (der auf den nur 33 Tage amtierenden, reformorientierten Johannes Paul I. alias Albino Luciani folgte) zum konservativen Zentralismus zurück.

2005 lud ihn der neue Papst, Küngs früherer Fakultätskollege Joseph Ratzinger, zu einer Aussprache. In einem veröffentlichen Kommuniqué würdigte Benedikt XVI. das Projekt Weltethos, wo die moralischen Werte ins Licht gesetzt werden, "in denen die großen Religionen der Welt bei allen Unterschieden konvergieren".

Ab 2013 ist der Argentinier Jorge Mario Bergoglio als Papst Franziskus im Amt, während Ratzinger als "emeritierter Papst" weiterhin im Machtzentrum des Vatikans residiert, was Küng nicht gut findet. Nur lobende Worte findet der Autor für die weltoffene Amtsführung Bergoglios, der auf jegliches Pathos verzichtet - ein "Mensch mit Bodenhaftung" also.

Sachbuch

Sieben Päpste

Hans Küng

Piper, 384 Seiten, 24,70 Euro




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-09-16 16:32:04
Letzte nderung am 2015-09-17 13:38:04



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