• vom 03.01.2016, 10:30 Uhr

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Von Heiner Boberski

  • Werner Stanzl schickt seinen Commissario Bruno Vossi wieder auf Verbrecherjagd.



Wie verbindet man "Details des größten österreichischen Bankenskandals der letzten Jahre" - von denen das Buch "inspiriert" ist, wie es am Ende heißt - mit Morden im Raum Grado, wo Commissario Bruno Vossi tätig ist? Diese Frage muss Krimi-Autor Werner Stanzl sehr beschäftigt haben, ehe er in seinem neuen Buch "Hintermänner" seinen Ermittler - der sich bei seinem ersten Auftritt in "Hinrichtung" mit religiösem Fundamentalismus herumschlagen musste - wieder auf Verbrecherjagd schickte.

Stanzl scheint dabei die Auseinandersetzung mit Wirtschaftskriminalität wichtiger zu sein als die Aufklärung der damit in loser Beziehung stehenden Kapitalverbrechen, die Vossi zu erledigen hat. Die Spannung hält sich dabei eher in Dan-Brown-Grenzen. Denn man weiß bald, wer der Mörder ist, dass er einer mächtigen Organisation mit hochtalentierten Computer-Hackern angehört, aber auch, dass er auf eigene Faust handelt.


Es trifft sich gut, wenn der Mörder nahe seinen Tatorten einen Kühlwagen oder ein Kühlhaus vorfindet, wo er die Leichen entsorgen und auch den Tatzeitpunkt ein wenig verschleiern kann. Es wirkt lebensecht, wie bestimmte Personen, um sich keine Scherereien aufzuhalsen, die Aufklärung verzögern. Und es mutet sehr menschlich an, wenn der Commissario einen Zeugen abwimmelt und damit ungewollt dem Tod ausliefert, oder wenn Vossis Chef Donadoni, der dem Boss von Donna Leons venezianischem Ermittler Brunetti immer ähnlicher wird, in eine Falle der Verbrecher tappt.

Die Floskel "Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind rein zufällig" ist fragwürdig. Sicher, der als "Burschi"-Typ dargestellte Kärntner Landeshauptmann rast in den Tod, ist also keine "lebende Person" mehr. Aber gilt das auch für den einfühlsam gezeichneten Generaldirektor Wolfram Kummer von der "Montana-Maritim-Bank", der mit leichtfertigen Geschäften in Osteuropa sein Unternehmen in den Ruin steuert und schließlich hinter Gitter wandert? Dabei gehört gerade die präzise Charakterisierung von Personen zu den Stärken von Stanzls Stil.

Das wenig tröstliche Ende teilt dieses gut geschriebene, aber mäßig aufregende Buch mit etlichen Krimis, die in jüngster Zeit im Fernsehen zu sehen waren. Die "Hintermänner", die - natürlich? - am bösen Balkan sitzen, bleiben letztlich ungeschoren. Aber das konnte man ja schon beim Blick auf den Buchtitel ahnen.

Werner Stanzl

Hintermänner

Roman. Styria Verlag, Wien 2015, 256 Seiten, 13,90 Euro.




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Dokument erstellt am 2015-12-30 17:44:06



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