• vom 14.03.2016, 15:30 Uhr

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Sachbuch

Die offensichtliche Schwäche der Demokratie




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    (wt) Nicht die jeweilige Stärke der Diktaturen in NS-Deutschland und in Italien war für deren Machtentfaltung im Europa nach dem Ende der "Urkatastrophe" des Ersten Weltkriegs entscheidend, sondern die offensichtliche Schwäche der Demokratie. Zu diesem folgenschweren Schluss kommt der deutsche Historiker Boris Barth in seinem lesenswerten Buch über die strukturellen Ursachen des Abgleitens von der Pariser Friedensordnung von 1919 weg vom zumindest vordergründig vorhandenen demokratischen Staatsverständnis der neu erstandenen europäischen Staatenwelt - hin zu revisionistisch-revanchistischen Ideologien - gepaart mit den Erfahrungen der Gewalt im Ersten Weltkrieg.

    Instabile Gemengelage
    Vor allem die Nachkriegskämpfe zwischen 1919 und 1921/22 waren dafür verantwortlich, dass die internationale Gemengelage instabil blieb. Unabhängig davon, ob man die Zwischenkriegszeit als "zweiten Dreißigjährigen Krieg" betrachtet, als eine "Erschöpfungspause" der Kontrahenten, so wird doch deutlich, dass der Erste Weltkrieg in Europa und in Teilen Asiens einen "irreversiblen Einschnitt" markiert hat: Die Habsburger Monarchie, das zaristische Russland und das Osmanische Reich gingen in der Folge als Vielvölkerstaaten unter. Die Ethnisierung großer Bevölkerungsgruppen löste massive Vertreibungen aus. Die Weltwirtschaftskrise 1929 hat die Entdemokratisierung in Europa beschleunigt, aber nicht alleine verursacht. Es waren die Versuchungen, zu technokratisch-autoritären Lösungen zu greifen, denen die demokratischen politischen Eliten erlagen und die Welt erneut ins Chaos stürzten.


    Sachbuch

    Europa nach dem großen Krieg

    Boris Barth

    Campus 2016, 361 Seiten, 36




    Schlagwörter

    Sachbuch, Demokratie, Boris Barth

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    Dokument erstellt am 2016-03-14 15:35:05



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