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Update: 24.03.2016, 17:57 Uhr

Sachbuch

Terrorismus aus Sicht der Mathematik




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Von Wolfgang Taus

  • Eva-Maria Heinke macht politische Gewaltstrategien mathematisch messbar.

Politiker und Wissenschafter sind sich hinsichtlich des Definitionsproblems des vielgesichtigen Phänomens Terrorismus in einem Punkt einig - und zwar in dem, dass es hier keine wirkliche Einigkeit gibt. Auch die dem zugrunde liegenden Konzepte von politischer Gewalt werden höchst unterschiedlich und auch widersprüchlich verwendet, sodass am Ende jeglicher Handlung mit entsprechender Definition zumindest die "Reproduktion von Gewaltstrukturen" unterstellt werden könnte. Somit könne jeder Akteur "zu einem gewissen Grad in Kontexten politischer Gewalt ein Terrorist" sein.

Die junge deutsche Politikwissenschafterin Eva-Maria Heinke versucht in ihrem Buch, den diesbezüglichen Fragen im Zusammenhang mit dem Begriff der Unschärfe auf den Grund zu gehen. Anhand der mathematischen Modellierung von Strategien politischer Gewalt auf Grundlage der Verwendung unscharfer Mengen (sogenannter Fuzzy-Inferenzsysteme) macht sie den Grad der Verwendung politischer Gewaltstrategien zum ersten Mal auch mathematisch mess- und berechenbar. Aus diesem Blickwinkel ist es dadurch auch möglich, "Graustufen" im Bereich "unscharfer Mengen" zuzulassen, ohne dass mögliche scharfe Abgrenzungen außer Frage gestellt werden.

Krieg oder Terror?
Eine Frage der Deutung

Zum Krieg werden zum Beispiel terroristische Gewaltakte oder eine Guerilla-Kriegsführung nur, wenn Täter und Betroffene diese Deutung zulassen. Die Ereignisse von 9/11 ließen viele politische Entscheidungsträger und Wissenschafter insbesondere in den USA von einem "Paradigmenwechsel" des Phänomens Terrorismus sprechen, der eine zentrale sicherheitspolitische Herausforderung insbesondere im anbrechenden 21. Jahrhundert darstelle. Solche anhaltende militärische Konflikte zwischen Terrororganisationen wie Al-Kaida oder dem selbsternannten Islamischen Staat und dem Westen werden asymmetrisch geführt.

Dabei sind die ehernen Gesetze des konventionellen zwischenstaatlichen Krieges, die Unterscheidung zwischen Freund und Feind, außer Kraft gesetzt. Deshalb erweist sich hier die Bedeutsamkeit des mathematisch strukturierten Unschärfemodells gegenüber der "Unschärfe" des Handelns politischer Gewaltakteure als besonders treffend. Lesenswert.

Information

Eva-Maria Heinke: Terrorismus und moderne Kriegsführung

Transcript 2016

326 Seiten, 41,20





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-03-24 17:02:05
Letzte nderung am 2016-03-24 17:57:11



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