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Update: 20.06.2016, 16:12 Uhr

Sachbuch

Fleischeslust




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Von Susanne Veil

  • Fleisch macht krank. Oder auch nicht? Zwei neue Sachbücher diskutieren den Fleischkonsum.

Purer Genuss oder Krankmacher? Fleisch und Wurstprodukte sind heute höchst umstrittene Lebensmittel.

Purer Genuss oder Krankmacher? Fleisch und Wurstprodukte sind heute höchst umstrittene Lebensmittel.© ap/Matthew Mead Purer Genuss oder Krankmacher? Fleisch und Wurstprodukte sind heute höchst umstrittene Lebensmittel.© ap/Matthew Mead

Bereits die Titelgestaltung könnte unterschiedlicher nicht sein. Wo auf einem Umschlag ein unappetitlich grimmiges Extrawurstgesicht prangt, spießen am anderen zwei saftige Streifen medium gegartes Steak auf der Fleischgabel. Und auch die Positionen der beiden Autoren zum Thema Fleisch sind höchst unterschiedlich.

Massentierhaltung macht krank, erklärt auf der einen Seite Hans-Ulrich Grimm in "Die Fleischlüge" - die Tiere und den Menschen. Nicht nur Rheuma, Arthritis, Gicht und Leberzirrhose werden mit übermäßigem Fleischkonsum in Verbindung gebracht. Weil die Tiere krank werden, sind im Fleisch Antibiotika enthalten. Das führt dazu, dass beim Menschen Resistenzen auftreten. "Die Wurst wird die Zigarette der Zukunft", prophezeit er. Denn sie ist so krebserregend wie Nikotin, sagt auch die Weltgesundheitsorganisation WHO.


Weil Fleisch so billig ist, essen wir zu viel davon. Darum sei es nötig, Nutztiere so zu züchten und zu halten, dass sie mit Tieren nichts mehr zu tun haben. Vielmehr würden Würstchen wie Autos aus Rohstoffen produziert. Grimm arbeitet sich, auch durchaus plakativ, durch die Gesundheitsrisiken von Schweinefleisch, Milch, Geflügel und Fleischersatzprodukten über Bienensterben und Überfischung bis zum Bioboom. Also wo aufhören, wenn Pflanzen "auch Lebewesen" sind, die man "bei einer moralischen Bewertung nicht einfach ignorieren kann". Grimm riskiert die trotzige Frage: Was soll man dann überhaupt noch essen? Seine Antwort lautet, wer isst, der tötet, aber eben bitte mit Respekt.

Einen Gegenpunkt setzt hier die Agrarwissenschafterin Ulrike Weiler mit ihrem Buch "Fleisch essen?". Sie lehrt in Deutschland an der Universität Hohenheim, die bekannt ist für Forschung zu Ernährung und Landwirtschaft. Ihr geht es im Gegensatz zu Grimm nicht darum, grundsätzlich industrielle Landwirtschaft zu diskutieren, sondern über Warenkunde aufzuklären.

Essen als Weltanschauung
Sie beklagt eine Stigmatisierung von tierischen Produkten: "Fleisch essen darf wohl nicht mehr schick sein." Wenn Essen zur Weltanschauung werde, stünde das einer sachlichen Diskussion im Wege. Die gesundheitlichen Schäden, welche in Zusammenhang mit übermäßigem Fleischkonsum gebracht werden, fallen meist in die Kategorie der Zivilisationskrankheiten, wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Diese hätten aber auch mit Bewegungsmangel und Übergewicht zu tun, sodass eventuelle Kausalzusammenhänge nur schwer zu ziehen seien.

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Schlagwörter

Sachbuch, Fleischkonsum

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-06-20 15:47:06
Letzte nderung am 2016-06-20 16:12:07



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