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Update: 29.06.2016, 10:02 Uhr

Sachbuch

Der gescheiterte Präsident




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Von Friedrich Weissensteiner

  • Journalist Tim Weiner hat eine detailreiche, fesselnde Nixon-Biografie vorgelegt.

Der Republikaner Richard Nixon, der als 37. Präsident der USA (1969-74) die Weltpolitik entscheidend (mit)bestimmte, hatte ein ehrgeiziges Ziel. Er wollte als ganz großer Staatsmann gelten, sich mit goldenen Lettern in das Buch der Weltgeschichte einschreiben. Dieses Ziel hat er weitgehend verfehlt. Sein Name ist nach dem Watergate-Skandal, dem Einbruch in das Wahlkampfhauptquartier der Demokratischen Partei, zum Synonym für Bestechung, Korruption, Bespitzelung und Gesetzesbruch geworden. Watergate schlug hohe politische Wellen. Im Kongress, für den Nixon nur Verachtung übrig hatte, wurde gegen den Präsidenten ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet.

Um seine Absetzung zu vermeiden, trat Nixon zurück. Es war das erste Mal in der Geschichte der USA, dass ein Präsident sein Amt niederlegte. Richard Nixon, der seine Macht missbraucht hatte, war gescheitert. Er ist keiner kriminellen Verschwörung zum Opfer gefallen, sondern seinem Ehrgeiz, seinem Größenwahn, seiner Machtbesessenheit und seinem paranoiden Misstrauen. Es wäre freilich unseriös, Richard Nixon nur unter dem Aspekt des Watergate Skandals zu beurteilen.


Analyse der letzten Tonbandgespräche
Von einer solchen Betrachtungsweise ist der Autor der vorliegenden Biografie weit entfernt. Der investigative Journalist ist nicht nur ein intimer Kenner der Materie. Er hat für sein Buch die letzten Tonbandgespräche, die im Weißen Haus geführt wurden, transkribiert und analysiert. Sie haben es ermöglicht, ein objektives und vollständiges Bild des Präsidenten sowie zahlreicher Persönlichkeiten und Institutionen zu zeichnen. Richard Nixons Wesen war tiefgründig und vielschichtig. Er konnte kratzbürstig sein und freundlich, entschlossen und zögerlich, hinterhältig und offen. Nixon wollte die Welt verändern. Aus diesem Grund interessierte er sich in erster Linie für die Außenpolitik, die durchaus zu den Aktivposten der Nixon-Administration gehört. Er beendete den Vietnam-Krieg und verbesserte durch Besuche in Moskau und Peking die die Beziehungen der USA mit der Sowjetunion und Rotchina. Die Innenpolitik vernachlässigte er. Viele gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme blieben ungelöst. Ein detailreiches, fesselnd geschriebenes Buch.

Sachbuch

Ein Mann gegen die Welt. Aufstieg und Fall des Richard Nixon

Tim Weiner

S. Fischer Verlag 2016

458 Seiten, EURO




Schlagwörter

Sachbuch, Richard Nixon

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-06-23 16:17:07
Letzte nderung am 2016-06-29 10:02:07



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