• vom 10.09.2016, 13:00 Uhr

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Verzwirnter Gefühlsgarn




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Von Brigitte Pechar

  • Daniela Emminger räsoniert in ihrer Novelle "Gemischter Satz" tiefsinnig über die Liebe.



"Nein, Agatha ist nicht dumm. Aber Liebe ist nicht unbedingt eine Frage der Intelligenz." Wie wahr, das kann jede bestätigen, die eine oder mehrere unglückliche Liebschaften hinter sich hat - oder gerade sehr intensiv durchlebt. In diesem Fall trifft es Agatha, die ihrem "Nummer-sieben-Märchen" nachtrauert: ". . . zweieinhalb Jahre, in denen sich ein Gemischter Satz aus Gramstauden, Eitelkeiten, Knickreben, Unwissen, Wunschdenken, schwachem Boden und mangelndem Niederschlag zusammengebraut und dazu geführt hatte, dass ich stärker sein wollte, als ich konnte, mich zu einer Märtyrerin machte, die ich nicht war."

Daniela Emminger legt mit "Gemischter Satz" ihr viertes Buch - nach "Leben für Anfänger" (2004), "Schwund" (2014) und "Die Vergebung muss noch warten" (2015) - vor.

Information

Daniela Emminger

Gemischter Satz

Novelle. Czernin Verlag, Wien 2016, 112 Seiten, 18,90 Euro.

Die in OÖ geborene und in Wien lebende Atuorin erzählt keine Geschichten, es gibt keine Handlungsstränge im eigentlichen Sinn. Dennoch passiert unglaublich viel - viel mehr als die bloße Tatsache, dass sich eine junge Frau Mitte 20 in einen Mann, dessen Name nicht Mi- chael ist, verliebt, ihm nach Berlin folgt, wieder nach Wien zurückkehrt, im elterlichen Haus auf dem Land eine Rückkehr zu sich selbst nach der Trennung sucht.

Der Kopf wird voll ob der Fülle der Sprachbilder, Assoziationen, Gedankenspiele. Der Text wirkt, als wäre er hektisch hingeschrieben, alles scheint ganz schnell abzulaufen. Tatsächlich wird man von der Sprachgewalt eingenommen und hechelt der Gedankenflut hinterher. Emminger findet sich mit dieser Novelle zu Recht auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises, der am 8. November im Vorfeld der Buch Wien zum ersten Mal vergeben wird.

Wie immer geht es bei ihr um mehr als das Hauptthema - in diesem Fall die Liebe -, es geht um das Leben und dessen Unmöglichkeit, um das Scheitern und Weitermachen, um die Vergänglichkeit. Das alles wird mit Metaphern versehen und in einer sehr modernen, eigenwilligen, höchst kreativen Sprache zu Papier gebracht. (Beispiel: "ein Mann . . ., der mir die Hirnstränge verknotet und das Gefühlsgarn verzwirnt bis nur noch Verwirrung herrscht, Verspinnung, Verknotung, Verklumpung.") Ein dünnes Buch, aber stark im Inhalt - sehr empfehlenswert.

Zur Zeit ist Daniela Emminger zur Recherche in Kirgistan, wird aber rechtzeitig zur Buchpräsentation zurück sein, die am15. September, um 19 Uhr im Café Korb, Brandstätte 9, 1010 Wien, stattfindet. Tex Rubinowitz wird Singles auflegen, der Wiener Winzer Franz Michael Mayer serviert seinen Gemischten Satz.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-09-08 17:35:15
Letzte nderung am 2016-09-08 17:55:47



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