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Update: 23.12.2016, 13:50 Uhr

Sachbuch

Ein Leben für ein vereinigtes Europa




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Von Wolfgang Taus

  • Walter Göhring legt eine umfassende Biografie von Richard Coudenhove-Kalergi vor.

"Es genügt nicht, Paneuropa zu wünschen, zu erhoffen oder zu ersehnen: Sie müssen es wollen. Sie müssen es nicht nur als Forderung der Geschichte betrachten, sondern als Forderung des Gewissens", resümierte Richard Coudenhove-Kalergi (1894-1972) über seine unermüdlichen Aktivitäten für ein friedlich vereintes Europa in den 1970ern. Er war selbst adeliger Herkunft als eines der Kinder des k.u.k. "Geschäftsträgers" in Japan, Heinrich Coudenhove-Kalergi, und dessen Frau Mitsuko Aoyama, die einer Kaufmannsfamilie entstammte.

Richard sah sich stets als "pragmatischen Pazifisten", der jegliche Form von imperialistischer Kriegslust und Kriegspolitik, aber auch die Transformation Russlands zur Sowjetunion unter Lenin und später Stalin ablehnte. 1922 gründete er, der Geschichte und Philosophie in Wien studierte und gegen den Wunsch der Eltern Journalist wurde, in Wien die "Paneuropa"-Bewegung, die von Österreich bald auf andere Länder übergriff. Die Idee entstammte zu einem großen Teil den abgewandelten Vorstellungen des österreichischen Friedensnobelpreisträgers Alfred Hermann Fried. Letzterer hatte in seinem Buch mit dem Titel "Pan-Amerika" Coudenhove-Kalergi die nötigen zündenden Ideen für seine Vision eines vereinigten Europas geboten.


Feindbild für Hitler
Das Anwachsen der Paneuropa-Bewegung im neuen Geist des Aufbruchs in der Zwischenkriegszeit führte dazu, dass vor allem Hitler in ihm und seiner Bewegung einen besonderen Feind entstehen sah. Während des Zweiten Weltkrieges emigrierte er zunächst in die Schweiz und später in die USA. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil gelang es ihm trotz aller Hindernisse, seine Idee von einem Paneuropa bis über seinen Tod hinaus mit Leben zu erfüllen. Als Initiator der Parlamentarier-Union und deren schrittweiser Entwicklung zum Europarat gab Coudenhove-Kalergi den Weg vor, der Jahre später zur Gründung der Europäischen Union führen sollte. Sein 1966 präsentiertes "Memorandum für ein künftiges Europa" ist bis heute wegweisend.

Historiker Walter Göhring legt hier eine umfassende Biografie vor, die auch auf unveröffentlichten Materialien fußt. Jenseits aller "Gruppenbeweihräucherung" versucht er nüchtern, an die Person und das Wirken Coudenhove-Kalergis heranzugehen. Das ist ihm gut gelungen. Es ist ein Buch, das seine Verdienste, aber auch seine Beziehungen zu Persönlichkeiten wie Charles de Gaulle, Konrad Adenauer, aber auch Bruno Kreisky beleuchtet - auf dem Weg zu einem "vereinten Europa der Vielfalt".

SACHBUCH

Richard Coudenhove-Kalergi

Walter Göhring

K&S 2016, 288 Seiten, 24,90 Euro




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Sachbuch

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-22 16:17:03
Letzte nderung am 2016-12-23 13:50:03



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