• vom 12.02.2017, 12:00 Uhr

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Von Hermann Schlösser




    Der Rätseltitel "Der heilige Skarabäus" und die kitschig misslungene Cover-Grafik der Neuausgabe erinnern an Esoterisches. Aber der Schein trügt. Der Roman, den die Wiener Autorin Else Jerusalem 1909 im S. Fischer Verlag erscheinen ließ, handelt von der Prostitution. Hauptschauplatz ist das (fiktive) Wiener Bordell Rothaus. Einfühlsam schildert die Autorin die Lebens- und Leidenswege der Prostituierten, porträtiert geldgierige Bordellwirtinnen und sexgierige Freier.

    Information

    Else Jerusalem
    Der heilige Skarabäus
    Roman. Herausgegeben von Brigitte Spreitzer. Verlag Das vergessene Buch, Wien 2016, 612 Seiten, 24,90 Euro.

    Dem kompetenten Nachwort der Herausgeberin ist zu entnehmen, dass das Buch seinerzeit ein Skandalerfolg gewesen ist und vierzig Auflagen erlebt hat. Insbesondere erregte sich die Öffentlichkeit an der Frage, auf welchen Wegen eine bürgerliche Frau derart präzise Kenntnisse des Prostituierten-Milieus erwerben konnte. Antwort: Die Autorin hat vorurteilsfrei recherchiert, unter anderem als Beobachterin des Prozesses gegen die Wiener Bordellbesitzerin Regine Riehl, die ihre Angestellten wie Gefangene hielt.

    Was Else Jerusalem dort erfuhr, hat sie in ihrem Roman fantasievoll bearbeitet. Dass sie dabei streckenweise ins Pathetisch-Sentimentale abglitt und vor allem ihre Hauptheldin Milada, den "heiligen Skarabäus", idealistisch überhöhte, ist wohl wahr, ändert aber nicht allzu viel am Wert dieser Neuentdeckung.





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-02-09 17:24:05
    Letzte nderung am 2017-02-09 17:29:13



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