• vom 16.04.2017, 10:00 Uhr

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Plädoyer für ein anderes Priestertum




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Von Heiner Boberski

  • Wolfgang Bergmanns reformtheologischer Roman "Geheim geweiht".



In der Tschechoslowakei wurde die römisch-katholische Kirche zur Zeit des Kommunismus brutal unterdrückt und entwickelte im Untergrund ein starkes Eigenleben. Schon kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, im Jahr 1991, wurde dies in einem Buch mit dem vielsagenden Titel "Jeder war ein Papst" dargestellt. Dessen Autor, der damalige "Furche"-Redakteur Franz Gansrigler, enthüllte, dass nicht nur verheiratete Männer, sondern auch Frauen geheim zu Priestern geweiht wurden, um das Überleben der Kirche zu sichern, denn Rom war weit.

Nach 1989 zeigte man sich im Vatikan allerdings nicht amused ob solcher Verstöße gegen das Kirchenrecht. Die "Lösung" bestand darin, die verheirateten Priester zu den katholischen "Unierten", denen eine Ehe erlaubt ist, abzuschieben und die geweihten Frauen totzuschweigen.

Information

Wolfgang Bergmann

Geheim geweiht

Roman. Wieser Verlag, Klagenfurt 2016, 198 Seiten, 18,80 Euro.

Diese mit einigen menschlichen Tragödien verbundene Situation greift Wolfgang Bergmann, der nach seiner Tätigkeit beim "Standard" nun die kaufmännische Leitung des Belvedere innehat, in seinem in den Jahren 1989 bis 1993 spielenden Roman "Geheim geweiht" auf. Er führt drei Handlungsstränge zusammen - der eine gibt Einblick in die Arbeit der mit dieser Thematik befassten Kommission im Vatikan, die anderen sind zwei Lebensgeschichten.

Katja, die zur Priesterin geweihte Tochter eines Geheimbischofs, darf auf Kosten der Kirche in Wien Theologie studieren, sofern sie über ihre geheime Weihe Stillschweigen bewahrt. Dort trifft sie Daniel, den an Krebs erkrankten bisherigen Pressesprecher eines Ministers, der sich eine Auszeit genommen hat, und die beiden werden ein Paar.

Bergmann bringt seine Medienerfahrungen, vor allem aber sein kirchliches Engagement als studierter Theologe in das Buch ein. Der Roman liest sich einerseits wie ein Plädoyer für das Priestertum von Frauen, deutet aber auch an, dass Weihen im Grunde überflüssig sind, da ohnehin alle Christen priesterlich tätig sein können und sollen. Im Vatikan wird sich der Autor damit nicht viele Freunde machen.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-13 16:54:05
Letzte nderung am 2017-04-13 17:47:07



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