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Literatur

Dichterräusche




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Von Hermann Schlösser




    Wie gut, dass es im Literaturgeschehen keine Doping-Kontrollen gibt! Würde man nämlich die Weltliteratur auf Werke reduzieren, die von "cleanen" Schreibkräften verfasst worden sind, bliebe wenig Interessantes übrig.

    Im Wiener Literaturmuseum ist zurzeit die Ausstellung "Im Rausch des Schreibens" zu sehen, und bei Zsolnay ist dazu ein anregender Begleitband erschienen. In reich illustrierten Essays werden hier die Rauschmittel der Dichter präsentiert: Alkohol, Nikotin, Koffein, aber auch weniger legale Substanzen. Der Band ist jedoch kein Sündenregister, in dem die kleinen Laster großer Literaten aufgelistet werden. Hier geht es letzen Endes nicht um Drogenkonsum, sondern um dichterische Ausnahmezustände.

    Information

    Katharina Manojlovic/ Kerstin Putz (Hrsg.)

    Im Rausch des Schreibens
    Von Musil bis Bachmann. Reihe Profile Band 24, Zsolnay Verlag, Wien 2017, 383 Seiten, 27,80 Euro.

    Dieser genuin literarische "Rausch des Schreibens" muss nicht unbedingt mit chemischer Unterstützung herbeigeführt werden. Der Band gibt Beispiele für asketische Exerzitien wie das Hungern, aber auch für exzessive Übungen wie das Fressen. Das Hauptrauschmittel ist aber das Schreiben selbst, das wie eine Droge wirken kann, wenn man sich ihm leidenschaftlich genug überlässt. Und während die anderen Berauschungsmittel uns allen zur Verfügung stehen, gehört das Schreib- und Wort-Delirium den Literaten allein.





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    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-07-14 14:03:10
    Letzte nderung am 2017-07-17 22:21:55



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