• vom 23.08.2017, 14:03 Uhr

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Update: 23.08.2017, 14:21 Uhr

Roman

Ein neues Leben über Nacht




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Von Mathias Ziegler

  • Isabella Straub: "Wer hier schlief" - von einem, der Schluss machte und völlig neu begann.



Philipp könnte eigentlich ein ganz kommodes Leben führen: an der Seite der Firmenchefin eines Sicherheitstüren-Unternehmens, mit gut bezahltem Job ohne fundierte Ausbildung. Doch dann lernt er Myriam kennen und beendet die Liaison mit seiner Lebensgefährtin Vera. Weil die Doppelgleisigkeit unmoralisch und auch zu stressig ist. Die Konsequenz: Quasi über Nacht endet der Komfort für Philipp mit dem Auszug aus Veras Villa, und er sitzt auf der Straße. Und zwar alternativlos, weil auch sein früheres Kinderzimmer inzwischen von der Mutter vermietet wird.

Autorin Isabella Straub begleitet nun ihren Protagonisten auf der Suche nach einer neuen Wohnstatt - und nach sich selbst. Denn für Philipp ist es ein kompletter Neubeginn, der ihn einerseits in die Wohnung eines etwas eigenbrötlerischen Alten und andererseits in eine Art moderne Kommune ("Wir wohnen hier, solange wir die Wohnung für die Nachnutzer herrichten") führt. Dazu kommt die Suche nach Myriam, die plötzlich wie vom Erdboden verschluckt scheint und offenbar ein krummes Ding gedreht haben dürfte. Was letztlich auch Konsequenzen für Philipp haben könnte.

Im Verlauf der Geschichte zeigt sich erneut das schon aus "Südbalkon" und "Das Fest des Windrads" bekannte Vorliebe der Autorin für gescheiterte (oder zumidnest dafür gehaltene) Existenzen und wie sie sich durchs Leben schlagen. Sie seziert die Gesellschaft 4.0 (oder mittlerweile schon 5.0?) und ihren Umgang mit jenen, die nicht mitten im Mainstream mitkraulen, sondern es wagen, sich am Rand abseits treiben zu lassen, ob nun gewollt oder nicht. Und sie spielt mit der deutschen Sprache, setzt stilistische Akzente und übt sich in blumigen Beschreibungen des Alltäglichen. Nur am Ende lässt sie ihre Leser etwas in der Luft hängen. Da ist ihr entweder die Erfindungskraft ausgegangen oder sie wollte ganz bewusst das Happy End, das für jeden anders aussieht, nicht durch eine zu klare finale Vorgabe zerstören.

Isabella Straub: Wer hier schlief
Verlag Blumenbar; 287 Seiten; 20,70 Euro





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-23 14:19:18
Letzte nderung am 2017-08-23 14:21:30



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