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Vom Saulus zum Paulus




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Von Florian Hartleb

  • "Trump to go": Stefan Petzners Buch gewordene Wandlung vom ideologisch aufgeladenen Populisten zum liberalen Demokratieretter.


© apa/Roland Schlager © apa/Roland Schlager

Stefan Petzner, einst rechte Hand von Jörg Haider, ohne den er sich nach eigenen Worten auch nach dessen Ableben Politik nicht vorstellen konnte, hat ein Buch geschrieben, wie Populisten Einhalt geboten werden kann. Von seiner einstigen Gesinnungsgemeinschaft hat er sich längst losgesagt, zu seinem einstigen Mentor ist ein radikaler Bruch spürbar. Dennoch ist er auf seine einstige Stellung stolz. Ein Widerspruch?

Petzner sprüht jedenfalls vor Energie, wie kürzlich in einer Diskussion in der Deutschen Botschaft in Wien zu erleben war. Sein Buch kam zum richtigen Zeitpunkt. Er hat damit durchaus öffentlichen Erfolg und findet als Politikerklärer Beachtung: Als Experte war er unlängst in einer bekannten deutschen Politiktalkshow eingeladen. Auf die Frage, was etablierte Parteien eigentlich im Umgang mit Populisten wie Donald Trump falsch machen, hatte Petzner prompt eine Antwort parat: "Populisten arbeiten mit der Provokation, dem bewussten Tabubruch, um Aufmerksamkeit zu generieren und damit am Ende Wählerstimmen zu gewinnen."

Information

Stefan Petzner: Trump to go; edition a, 157 Seiten, 19,90 Euro

Kritik am Populismus

Populismus sieht der Autor inzwischen sehr negativ. Er sieht den gleichen Reflex, den ein kleines Kind hat, wenn es "das Monster unter dem Bett" sieht. Um Abhilfe zu schaffen, müssten die Eltern eigentlich gemeinsam mit dem Kind einen Blick unter das Bett werfen. Meist passiert das gerade nicht - den Versprechungen, Schutz zu gewähren und zu helfen zum Trotz. Zu Recht kritisiert Petzner die Unschärfe, die inflationäre Verwendung des Populismusbegriffs. Er entwickelt Definitionen durchaus nachvollziehbar weiter und wirbt mit seiner Praxisnähe, die ihn von der Akademia unterscheide. Immerhin habe er ja als "Pressesprecher, Wahlkampfleiter und Spindoktor für den erfolgreichsten Rechtspopulisten gearbeitet". Bei aller berechtigter Kritik an den "Theoretikern": Etwas verwunderlich wirkt, dass das Buch auf Fußnoten und ein Literaturverzeichnis gänzlich verzichtet.

Petzner kommt zum Schluss, dass folgende Merkmale für Populismus kennzeichnend sind: die Selbststilisierung als gutes "Wir" in scharfer Abgrenzung gegen "die Anderen", die egozentrische Betonung, quasi Superman zu sein, ein Tabubruch in der Sprache sowie der Appell an Gefühle. Neu ist diese Erkenntnis nicht, gewinnt aber mit der "Trumpetisierung" neue Relevanz. Wohl deshalb lautet der Titel "Trump to go", illustriert mit einem Kaffeebecher auf dem Cover.

Stefan Petzner versteht es, eingängig-verständlich wie logisch zu argumentieren und Praxisbeispiele einzubauen, etwa mit Blick auf das Schüren von Ängsten in der Flüchtlingskrise. Gerade wenn es um Manipulation und "schmutzige Tricks" geht, kann der Autor mit seinem Erfahrungshintergrund punkten. Etwas zu kurz bleibt die Frage, inwieweit populistische Muster längst in den Mainstream angekommen sind. Manch politischer Beobachter sieht hierzulande durchaus Anknüpfungspunkte.

Am Ende des Buchs geht es Petzner nach all dem Lamentieren um konkrete Lösungsansätze, die aber über Phrasen und Allgemeinplätze nicht hinauskommen. Dennoch lohnt sich die Lektüre für das gemeine Volk, auch für Politiker und Berater. Die anstehenden spannenden Zeiten nicht nur in der österreichischen Politik werden weiterhin genügend Anschauungsmaterial bieten. Ob der Zenit des Populismus und der Trumpetisierung bereits erreicht ist? Nicht nur Petzner sieht eher den "Untergang des Abendlandes".





Schlagwörter

Sachbuch, Stefan Petzner

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-12 16:54:06
Letzte nderung am 2017-09-12 17:07:04



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